Von Windenergie bis Kita-Neubau

Bürgermeister Becker stellt wichtige Lautertaler Projekte in gut besuchter Bürgerversammlung vor.

Einmal im Jahr lädt die Gemeinde Lautertal die Bürger ein, um sie auf den aktuellen Stand der wichtigsten Projekte zu bringen. Und da hatte die Verwaltung einiges zu bieten. Denn neben einem Update zum Thema Windkraft-Repowering, dem Stand der Sanierung der Ortsdurchfahrt Hopfmannsfeld und dem Ausbau der DGH-Dächer mit Fotovoltaik, ging es auch um das derzeit größte Projekt der Gemeinde: den Kindergartenneubau in Engelrod.

Immerhin rund 80 Bürgerinnen und Bürger folgten gespannt den Ausführungen von Bürgermeister Lukas Becker zu den einzelnen Themen. Zuvor hatte Gemeindevertretungsvorsitzender Hans-Jürgen Herbst die Bürger im Dorfgemeinschaftshaus von Hörgenau begrüßt und führte im weiteren Verlauf moderierend durch die Versammlung. Wenige Nachfragen gab es zum in anderen Kommunen oft umstrittenen Thema Windkraft. Hier war eine grundsätzliche Zustimmung zum Repowering im Saal zu spüren. Der Rathauschef hob auch mehrmals hervor, dass in dieser Hinsicht noch nichts in trockenen Tüchern sei. Es handele sich bislang lediglich um eine „Ideensammlung“, so Becker, der eine Karte des infrage kommenden Gebiets bei Engelrod und Dirlammen mit den möglichen Standorten der Anlagen präsentierte. Geplant werde das Projekt mit der Hessenenergie. Als Ersatz für die alten 18 Anlagen wären dort 9 bis 13 neue Windräder möglich, darunter wären dann 6 bis 9 kommunale Anlagen. Als Vorteile hob Becker die EEG-Vergütung, Pachteinnahmen und eine höhere Gewerbesteuer hervor. Da es sich um ein Repowering-Gebiet handelt, also dort schon Windkraftanlagen stehen, müsse auch keine komplette Neuaufstellung des Bebauungsplanes vorgenommen werden. Doch bis sich dort Windräder drehen könnten, werde es noch eine Weile dauern. „Da passiert nichts von heute auf morgen. Da können schonmal 4 bis 5 Jahre ins Land gehen“, so Becker. Als nächsten werde die vorgeschriebenen FFH-Verträglichkeitsprüfung angeschoben.

Bezüglich der Fotovoltaik-Anlagen konnte Becker bereits Vollzug auf den Dächern der Gemeinschaftshäuser von Dirlammen, Eichelhain und Hopfmannsfeld vermelden, deren Anlagen je 30, 56 und 29 kWp erbringen. kWp steht dabei für Kilowatt-Peak und bezeichnet die maximale elektrische Spitzenleistung, die eine Fotovoltaikanlage unter genormten Testbedingungen erbringen kann. Errichtet wurden und betrieben werden sie von der Sonneninitiative, einem Verein aus Marburg, der Fotovoltaikanlagen baut, die durch Bürger finanziert werden, welche Anteile erwerben können und dafür an der Einspeisevergütung beteiligt werden. Während die Gemeinschaftshausdächer in Engelrod und Eichenrod nicht wirtschaftlich nutzbar seien, werde das Dach in Meiches von der Energiegenossenschaft Schwalmtal genutzt. Bezüglich des Ziels, an jedem DGH Ladepunkte für Elektroautos zu erreichten sei man „auf einem guten Weg“, so Becker.

Fragen zum Bau-Projekt

Der Stand der Dinge in Sachen Kindergarten-Neubau stieß auf reges Interesse der Bürger. Hier stellte Becker zunächst den Grundsatzbeschluss des Parlamentes für einen Neubau vor und ging auf dessen Vorteile im Vergleich zu einer Sanierung samt einem notwendigen Anbau des über 60 Jahre alten Gebäudes am jetzigen Standort ein. Aktuell besuchten rund 100 Kinder die Kita in Engelrod und es stünden noch zehn Kinder auf einer Warteliste, was „sehr für die Qualität der Kita spricht“, wie Becker betonte. Hinsichtlich der Kosten, die bei einem Umbau mit rund 5 Millionen und für einen Neubau mit rund 6 Millionen veranschlagt werden, lägen die Varianten eng beieinander. Auch das für den Neubau vorgesehene Grundstück unterhalb der Grundschule biete zahlreiche Vorteile. Neben Sicherheitsaspekten (die jetzige Kita liegt an der Ortsdurchfahrt) hob der Bürgermeister auch mögliche Synergieeffekte bei der gemeinsamen Nutzung von Schulgebäuden, wie etwa der Sporthalle hervor sowie die großzügig dimensionierte Freifläche. Überdies sei der in Frage kommende Grund im Besitz der öffentlichen Hand. Die evangelische Kirche werde als Träger weiter an Bord bleiben und etwa die Personalverwaltung weiterhin übernehmen. Die wichtige Frage, die noch von der Gemeindevertretung entschieden werden müsse, sei die Frage, ob in Eigenregie oder mit einem Investor gebaut werde. Hierzu und zu möglichen Zuschüssen für den Neubau wurden auch die meisten Fragen gestellt. Sollte ein Investor mit ins Boot geholt werden, würde dieser den Bau und die Bauplanung verantworten und die Gemeinde würde dann eine jährliche Miete entrichten. Im Falle der Eigenregie müsse die Gemeinde einen entsprechenden Kredit aufnehmen. Hinsichtlich der Zuschüsse seitens des Landes Hessens konnte Becker noch keine definitive Antwort geben, weil die Lage derzeit aufgrund erst kürzlich umgewidmeter Fördertöpfe schwierig sei und man noch nicht abschätzen könne, welche Töpfe zum Zeitpunkt des Baubeginns gerade gefüllt seien. Um eine Entscheidung zu erleichtern, werde nun eine Wirtschaftlichkeitsprüfung bei der Bauvarianten in Auftrag gegeben.

Bevor Becker noch bedeutende investive Maßnahmen aus dem Haushalt präsentierte, stand noch der Sachstand zur Ortsdurchfahrtsanierung in Hopfmannsfeld auf der Agenda. Hier liege man gut im Kostenrahmen . Der Abschluss der Bauarbeiten sei für Juli dieses Jahres geplant. Im Anschluss sollen noch Arbeiten am Kanal im Galgenweg ausgeführt werden. Der Wunsch von Anwohner Hubert Straub, sich dort für eine Tempo-30-Zone einzusetzen, stieß auf allgemeine und teils beklatschte Zustimmung. Dass der Weg dorthin kein leichter sei, wurde aber ebenfalls thematisiert. Die 1,50 Meter breiten Gehwege und parkende Anwohner, so eine ebenfalls geäußerte Ansicht, würden aber wohl ohnehin den Verkehr verlangsamen.