Erzählen, vorlesen und auch singen war am Sonntagabend beim Auftritt von Martin Guth in der Kulturschmiede Eichenrod angesagt. Der Kabarettist, Kolumnist, Autor und Moderator aus dem Butzbacher Stadtteil Pohl-Göns verstand es, rund zwei Stunden lang über 50 Besucher in seinen Bann zu ziehen und ihnen oft heftigen Beifall zu entlocken.
Martin Guth ging zunächst auf seinen beruflichen Werdegang ein und so war zu hören, dass er gemeinsam mit Dietrich Faber von 1993 bis 2013 das Kabarettduo „FaberhaftGuth“ bildete und mit ihm auf allen Bühnen dieses Landes, aber auch in der Schweiz und in Österreich stand. „Seit 2013 gehen wir beide getrennte Wege, sind aber weiterhin freundschaftlich verbunden, was in vielen anderen eheähnlichen Verbindungen ja nicht immer selbstverständlich ist“, war von Martin Guth unter dem Gelächter der Zuschauer zu hören.
Viel Gelächter und starken Beifall gab es auch anschließend bei seinem Lied über die Bäckereifachverkäuferin sowie bei Leseproben aus seinen Büchern. Dabei ging es um selbstreinigende Klobrillen, einen Einkaufsbummel auf der Zeil – und das an einem verkaufsoffenen Sonntag vor Ostern – und eine Scheidungsparty. Zu Letzterer war zu hören: Der Herr hat es gegeben, die Frau hat’s genommen!
Mal melancholisch und ernsthaft, mal selbstironisch und sarkastisch – Martin Guth vereinte alle Emotionen an einem Abend. Seine zahllosen Pointen sorgten für Schnappatmung unter den Zuhörern. Für seinen Humor brauchte man kein Abitur oder ein abgeschlossenes Politstudium. Der Butzbacher zeigte gehobenen Nonsens und Alltagssatirisches oberhalb aller Gürtellinien, aber voller Hinterlist. Dabei begegnete er dem Publikum stets auf Augenhöhe und mit Themen, die einerseits jeder kennt, die aber durch seine schräge Betrachtungsweise immer wieder erfrischend neu daher kamen. In diesem Zusammenhang ging er zum Beispiel auf Überschriften und Zitate aus Zeitungen ein, wie zum Beispiel: „Banküberfall auf Tankstelle“ oder „Wer Erbschaftssteuer sparen will, muss vor dem Tod aktiv werden“. Makaber auch „die Zeit drängt, nur noch ein Urnengrab frei“ sowie „Pfarrer stirbt in Himmelfahrtskirche“. Passend auch in die heutige Zeit: „Veganes Sommerfest im Schlachthof“ und „Schuldnerberatung fehlt das Geld“.
Martin Guth dankte Veranstalterin Ellen Schaaf, dass nach der Corona-Pause wieder Leben in der Kulturschmiede sei. Nicht nur die Gießener profitieren von Ellen Schaafs Tatendrang, hier organisiert sie seit 20 Jahren ein vielfältiges Programm, nicht nur für die Mitglieder des von ihr mitgegründeten Vereins KulTour 2000, sondern für alle kulturell Interessierten. 2019 habe sie die 120 Jahre alte Schmiede ihres Großvaters in Eichenrod zur Kulturschmiede umgebaut und lasse nun auch diese mit Veranstaltungen bespielen. „Kultur ist keine Zutat, Kultur ist Sauerstoff einer Gesellschaft“, dieses Zitat des Intendanten August Everding sei auch das Selbstverständnis von Ellen Schaaf, die 2018 den Ehrenbrief der Stadt Gießen für ihr kulturelles Wirken erhalten hat.