Mit der Jubiläumsveranstaltung am Sonntag wird Ellen Schaaf nun die Kulturschmiede in neue Hände, und zwar in die der Gemeinde Lautertal, übergeben. „Jetzt wurde es Zeit für eine persönliche Veränderung. Damit die Kulturschmiede weiterhin für diverse Veranstaltungen und geselliges Zusammensein genutzt werden kann, gab es für mich nur die eine Möglichkeit“, begründet die Konzertveranstalterin diesen Schritt. Sie blickt mit einem guten Gefühl zurück, denn die Kulturschmiede ist zu einem lebendigen Teil des Dorfes geworden. „Ich habe mich immer gefreut, dass die unterschiedlichsten Veranstaltungen und die Kulturschmiede so gut angenommen wurden – sowohl innerhalb als auch außerhalb Eichenrods. Kartenreservierungen kamen darüber hinaus aus den umliegenden Dörfern und auch aus Ulrichstein und Lauterbach“, berichtet die 75-Jährige. Auch sonst gab die Finanzierung dieser kulturellen Institution Ellen Schaaf wenig Anlass zur Sorge: „Ich bin immer mit den Fördermitteln zurechtgekommen. Der Kultursommer Mittelhessen, die OVAG, die Volksbank und die Sparkasse – alle haben irgendwann die eine oder andere Veranstaltung unterstützt.“
Erweiterte Nutzung
Mit der Gemeinde als neuem Kulturschmiede-Betreiber sollen nun Angebot und Nutzungsmöglichkeiten noch erweitert werden, wie Bürgermeister Lukas Becker auf Anfrage betonte. „Wir möchten den bereits eingeschlagenen Weg der bisherigen Angebote gerne fortführen. Außerdem möchten wir die Schmiede auch für private Feiern vermieten. Ebenso sollen Vereine die Räumlichkeiten für Veranstaltungen nutzen können – ähnlich wie bei den Dorfgemeinschaftshäusern. Nach Möglichkeit sollen dort mehrere Veranstaltungen pro Jahr stattfinden, wobei die kalte Jahreszeit aufgrund der fehlenden Heizung nur eingeschränkt geeignet ist“, führt Becker aus.
„Vor gut einem Jahr kam Ellen Schaaf auf mich zu, und wir sprachen über die Zukunft der Kulturschmiede. Sie wollte diese gerne in sichere Hände übergeben und den geschaffenen Zweck langfristig erhalten", blickt Becker zurück. Schnell wurde man sich einig und der Gemeindevorstand fasste einen entsprechenden Beschluss. Mittlerweile ist die Gemeinde Eigentümerin der Schmiede. „Sie wurde uns von Frau Schaaf geschenkt“, freut sich Becker. „Ich finde, dass wir im Bereich der Kulturangebote noch mehr für unsere Bevölkerung tun können. Die Übernahme der Schmiede könnte hierfür ein guter Ausgangspunkt sein. Kultur ist ein wichtiges Bindeglied unserer Gesellschaft. Mir als Bürgermeister ist es daher wichtig, dass wir auch kommunale Angebote für die Menschen im Lautertal und der Region schaffen und weiterentwickeln“, begründet Becker diesen Schritt. Die Verantwortung für Fragen rund um die Schmiede sowie für Programm und Organisation „werde ich als Bürgermeister übernehmen“, verspricht er – und ruft alle kulturinteressierten Bürger dazu auf, sich zu melden, wenn ein Interesse an einer Mitarbeit besteht oder Ideen zur Nutzung und zu möglichen Veranstaltungsformaten vorhanden sind. „Außerdem möchten wir örtliche Vereine unterstützen, indem diese beispielsweise die Bewirtung bei Veranstaltungen übernehmen können“, ergänzt Becker.
130 Jahre in Familienbesitz
Die 130 Jahre alte ursprüngliche Schmiede in Lautertal – Eichenrod war seit vier Generationen im Besitz von Ellen Schaafs Familie. Die gebürtige Eichenröderin, die heute in Gießen lebt, hegte schon immer eine Leidenschaft für Kunst und Kultur. Die Tochter des Eichenröder Schmieds Otto Schaaf war ab 1971 Mitinhaberin der gut vernetzten Basis-Konzertagentur. 1975 ging sie nach Gießen und studierte Betriebswirtschaftslehre, um nach Abschluss des Studiums zehn Jahre im metallverarbeitenden Betrieb des Vaters zu arbeiten.
Die Leidenschaft für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen ließ sie auch in den zehn Jahren in Eichenrod nicht los. Danach organisierte sie Konzerte in Gießen, unter anderem mit Matthias Beltz und Hannes Wader. Im Jahr 2000 gründete sie als Initiatorin den Gießener Verein KulTour 2000 mit, der fast 20 Jahre lang hochkarätige Veranstaltungen präsentiert hatte. Bei diesem Verein engagierte sie sich 20 Jahre lang als Vorsitzende, wofür sie auch den Ehrenbrief des Landes Hessen erhielt.
2016 hatte sie die Schmiede gründlich renovieren lassen und in einen Veranstaltungsort für Kleinkunst im ländlichen Raum umgewandelt. Es wurden Stromanschlüsse gelegt, eine Toilette eingebaut, 50 Stühle gekauft. „Mein Ziel war es, für die Einwohner von Lautertal und Umgebung einen kulturellen Veranstaltungsort zu schaffen, an dem sie sich treffen und austauschen können. Ferner ist mir wichtig, Künstler dafür zu gewinnen, die sonst nicht in der ländlichen Region auftreten“, betont Schaaf. Dabei kamen ihr die über Jahrzehnte gesammelten Kontakte beim Gießener Verein KulTour 2000 zugute, der bis zu seiner Auflösung ebenfalls kulturelle Veranstaltungen organisiert hatte.
Damit eine gewisse Kontinuität gegeben ist, laufen die Veranstaltungen in der Kulturschmiede immer nach dem gleichen Schema ab: sonntags um 18 Uhr, Eintritt 10 Euro. Die Eintrittsgelder wurden für die Gagen und GEMA-Gebühren und alle anfallenden Kosten ausgegeben. Durch Fördermittel konnten inzwischen eine Bühne und die Licht- und Tontechnik angeschafft werden. Ob dieses Schema auch künftig beibehalten werden kann, wird sich zeigen. Nun ist Ellen Schaaf aber erst einmal froh, eine passende Übereinkunft zur Zukunft der Kulturschmiede geschlossen zu haben. Und ganz und gar loslassen wird sie die Schmiede, die so lange Teil ihres Lebens war, wohl nicht. Die Gemeinde hat ihr angeboten, „sich jederzeit mit Ideen einzubringen und auch künftig gemeinsam mit uns Veranstaltungen zu organisieren, sofern sie dies möchte“, betont Bürgermeister Becker, dem für die Zukunft eine Art Arbeitsgemeinschaft im Bereich Kultur vorschwebt, welche sich „gemeinsam mit mir unter anderem für die Kulturschmiede engagiert“. Ellen Schaaf steht diesem Vorhaben offen gegenüber. „In beratender Funktion stehe ich gerne zur Verfügung“, versichert sie.
Zehn Jahre Kulturschmiede
Am Sonntag, 17. Mai, feiert die Kulturschmiede ihren zehnjährigen Geburtstag mit einem „Fest für die regionale Kultur“. Um 18 Uhr ist Mundartmusiker Jochen Rudolph, „de fideele Owwerhess“, auf der Eichenröder Bühne in der Bergstraße 13 zu sehen und zu hören, mit Anekdoten und „Verzählches“ sowie Oldies von den 50ern bis zu den 80er Jahren. Für das leibliche Wohl sorgt der Jugendklub Eichenrod mit Gegrilltem und Getränken.