Während des zweiwöchigen erstmaligen Aufenthalts in Ägypten im Hotel „Club Aldiana Naga Bay“ bietet Alexander Hubertus Gieß, so der bürgerliche Name von „Magic Alex“, neben zwei großen eigenständigen Shows auch Zauber-Workshops an, bei denen Kinder und Jugendliche Zaubertricks erlernen können. Wobei die kleinen und erwachsenen Gäste dabei überwiegend deutschsprachig sind, sodass er alles in seiner Muttersprache präsentieren kann.
Auf ein Minimum heruntergefahren ist das nötige „magische Werkzeug“. Für „Magic Alex“ gilt: „Pack small, play big!“ In diesem Zusammenhang bedeutet es frei übersetzt: „Wenig Utensilien, wichtig ist, super zu spielen.“ Ein Tisch reicht aus für den Aufbau, ansonsten stehen Fachkenntnis wie psychologisch ausgefeilte Kniffe und eine für den Außenstehenden kaum nachvollziehbare Fingerfertigkeit im Vordergrund. „Die Kunst des Zauberns ist mir am wichtigsten, nicht eine überladene Bühnenshow“, erklärt der sympathisch quirlige Künstler. „Bewusst versuche ich, mein eigenes Leben in die Zauberkunst einfließen zu lassen. So sind ebenso meine beiden Kinder hin und wieder in meinen Shows zu erleben.“ Insbesondere bei Flugreisen stelle der Transport der Requisiten eine Herausforderung dar. Intensive und lang anhaltende Sicherheitskontrollen an Ländergrenzen oder Flughäfen können in jedem Fall dazugehören. Viele der Zauberutensilien sind empfindlich und kostspielig, wie sie es bereits seit Beginn der verblüffenden Erstaufführungen mit 14 waren. Eigenhändig werden sie aufwendig verpackt, um Beschädigungen zu vermeiden. Für den Fall, dass ein Koffer einmal verloren geht, befindet sich stets Material für eine komplette 30-minütige Show im Handgepäck.
Schaut man zurück, wirkt die Karriere von „Magic Alex“ in der Tat in einem gewissen Sinn wie „magisch“. Bisher wurde sie von ihm mit alleiniger Unterstützung seines familiären Umfelds im unerschütterlichen und harten Alleingang aus dem Boden gestampft. Geboren 1985 in Engelrod, wuchs er dort auf mit seinem Bruder bei seinen Eltern Elisabeth und Helmar Gieß. Mit 18 Jahren zog er nach Darmstadt und machte dort an der pädagogischen Akademie „Elisabethenstift“ eine Ausbildung als Erzieher. Heute ist er nebenberuflich als Erzieher in einem Darmstädter Kindergarten angestellt, sein Hauptberuf ist inzwischen die Zauberei.
Was seine Auftrittsorte angeht, sind die Grenzen Hessens für „Magic Alex“ schon längst zu klein geworden. Auf der Bühne stand er bis jetzt nicht nur bei privaten oder etwa bei internationalen Firmen-Events, live konnte man ihn weiterhin beispielsweise bei einem Hessentag erleben, bei etlichen Stadtfesten, um nur weniges zu nennen. Der Durchbruch gelang 2023 bei einem Live-Auftritt für das Hessenfernsehen, der um ein Haar wegen eines schweren Gewitters geplatzt wäre. 2024 siegte Alexander Gieß bei der weithin anerkannten „Darmstädter Zauberschlacht“. Unter anderem stand er 2025 erstmals für einen Reiseanbieter in den österreichischen Clubs von Ampflwang sowie im Salzkammergut auf der Bühne. „In diesem Jahr“, fügt „Magic Alex“ hinzu, „durfte ich bereits auf Fuerteventura auftreten, auch mehrere Engagements in Österreich und eines in Andalusien gehörten dazu.“ Als er vor Kurzem von einem Vogelsberger angesprochen wurde, dass dieser bereits seinen 50., den 60. und nun seinen 70. Geburtstag mit einem „Magic Alex“-Auftritt feiere, berührte das den Zauberkünstler in ganz besonderer Weise. Seit Langem wohnhaft mit seiner Familie in Pfungstadt, bleiben sein Heimatdorf Engelrod und sein Elternhaus für ihn eine „feste, ruhige Burg, bei der ich jederzeit andocken kann“.
Zunehmend intensiv hat sich „Magic Alex“ im Laufe der Zeit auf den Bereich der sogenannten „Mentalmagie“ spezialisiert. Diesen Begriff erklärt er wie folgt: „Es ist eine Kunst, bei der sich unter anderem Gedankenlesen und Vorhersagen miteinander verbinden, auf einer feinfühlig psychologisch aufgebauten Basis wird das Ganze schließlich zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.“ Nicht selten würden ihm Zuschauer berichten, dass sie noch Tage nach der Vorstellung mit der Frage beschäftigt seien, wie solch aufgezeigte Phänomene überhaupt möglich sein können. Zum Beispiel, wenn Menschen Berührungen spüren, obwohl der Zauberkünstler mehrere Meter von ihnen entfernt steht. Des Weiteren das Erraten von gewürfelten Zahlen des Gegenübers durch den Magier. So viel darf er verraten trotz des streng gehüteten Ehrenkodexes aller Zauberer, niemals Zauberkunststücke preisgeben zu dürfen: „Ich achte auf kleinste Veränderungen in Mimik und Körpersprache des Gegenübers, sie können mir wertvolle Hinweise zu entsprechenden Auflösungen liefern.“
Und wie entstehen die ständig geforderten neuen Ideen für eine Zaubershow? „Tatsächlich beginnt vieles ziemlich unspektakulär mit einem Spaziergang durch den Wald“, bringt es „Magic Alex“ auf einen Nenner. Besonders die Natur im Vogelsberg sei für ihn ein Ort der Inspiration. „Neue Gedanken halte ich meist direkt per Spracheingabe auf meinem Smartphone fest. Später werden sie am Computer gesammelt, weiterentwickelt und schließlich zu einem Programm zusammengefügt.“ Sein neues Programm „Mentale Power“ richtet sich in der Hauptsache an Erwachsene und verbindet atemberaubende moderne Zauberkunst mit vielschichtigen psychologischen Elementen und Mentalmagie. „Vor allem am Herzen liegen mir jedoch Kinderprogramme“, sagt Alexander Gieß. „Shows, die unterhalten und gleichzeitig, ohne zu langweilen, eine wertvolle pädagogische Ausrichtung haben.“