Die Diskussion um den geplanten Neubau des Kindergartens in Lautertal „erhält durch die inzwischen vorliegenden Zahlen eine neue Dimension“. Das betont die Lautertaler CDU in einer Pressemitteilung. Während die Gemeindevertretung im November 2025 auf Grundlage der damaligen Kostenschätzungen dem Neubau zugestimmt hatte, liegt inzwischen eine Finanzierungsbetrachtung vor, nach der rund 7,5 Millionen Euro zu finanzieren seien. Die CDU-Fraktion sieht deshalb die Notwendigkeit, die damalige Entscheidungsgrundlage angesichts der inzwischen bekannten Zahlen erneut zu betrachten.
Die CDU hatte dem Neubau im November 2025 einstimmig zugestimmt. „Grundlage war seinerzeit eine Kostenschätzung von rund 3,1 Millionen Euro. Die damals ebenfalls betrachtete Variante einer Sanierung und Erweiterung des bestehenden Kindergartens lag nach den vorliegenden Berechnungen in einer vergleichbaren Größenordnung und wurde lediglich mit rund 200 000 Euro höheren Kosten dargestellt“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
In die damalige Betrachtung des Neubaus sei zudem ein angenommener Landeszuschuss von rund 1,41 Millionen Euro beziehungsweise 30 Prozent der förderfähigen Kosten eingeflossen. Zwischenzeitlich habe sich herausgestellt, dass diese Förderannahme nicht durch einen verbindlichen Förderbescheid abgesichert gewesen sei.
„Wir haben der damaligen Entscheidung auf Grundlage der Zahlen zugestimmt, die uns seinerzeit vorgelegt wurden. Wenn sich die finanzielle Größenordnung inzwischen so deutlich verändert hat, muss auch die Entscheidungsgrundlage erneut betrachtet werden“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Patrick Heil.
Bereits im Herbst 2025 hatte die CDU im Haupt- und Finanzausschuss angeregt, den bestehenden Kindergarten durch eine detaillierte architektonische Untersuchung hinsichtlich Sanierung und möglicher Erweiterung prüfen zu lassen. Diese Forderung wurde seinerzeit durch die SPD nicht mitgetragen. Aus Sicht der CDU wurde deshalb die Möglichkeit der Sanierung des Altbestandes nicht in der erforderlichen Tiefe untersucht.
„Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass die Sanierung des Bestandsgebäudes nicht mit derselben Konsequenz untersucht wurde wie der Neubau. Deshalb brauchen wir jetzt eine wirklich ergebnisoffene Betrachtung und belastbare Zahlen“, sagt Nadine Ruppel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion und Mitglied im Kindergartenausschuss.
Für „zukunftsfähige Betreuung“
Die CDU betont zugleich, dass sie ausdrücklich für eine „hochwertige und zukunftsfähige Betreuung der Kinder in Lautertal“ stehe und eine gute bauliche Lösung für die Kinder, die Beschäftigten und die Familien unterstütze.
„Wir wollen für unsere Kinder eine moderne, hochwertige und zukunftsfähige Kindertagesstätte. Das steht für uns außer Frage. Aber eine gute Lösung muss auch langfristig finanzierbar sein. Beides gehört zusammen“, betont Nadine Ruppel.
Hinzu komme die Frage, welche Auswirkungen die Finanzierung des Kindergartenneubaus auf die übrigen Aufgaben der Gemeinde hat. Nach den derzeitigen Planungen solle auch das der Gemeinde aus dem Sondervermögen des Bundes zur Verfügung stehende Geld in das Kindergartenprojekt einfließen.
Damit stehe dieses Geld für andere dringend erforderliche Investitionen nicht mehr zur Verfügung. Dazu zählen aus Sicht der CDU unter anderem „marode Straßen, die Sanierung von Hochbehältern und Trinkwasserleitungen, mögliche Investitionen in Kläranlagen sowie weitere Maßnahmen zur Erhaltung der kommunalen Infrastruktur“.
„Lautertal hat nicht nur beim Kindergarten einen erheblichen Investitionsbedarf. Wir müssen deshalb darauf achten, dass wir mit einer einzelnen Großinvestition nicht gleichzeitig den finanziellen Spielraum für Straßen, Wasser, Abwasser und andere notwendige Infrastrukturmaßnahmen verlieren“, so Heil.
Die Finanzierungssumme von rund 7,5 Millionen Euro bilde zudem noch nicht die vollständige finanzielle Belastung ab. Über eine Laufzeit von 30 Jahren kommen Finanzierungskosten und Zinsen hinzu. Je nach tatsächlichem Zinssatz kann sich daraus eine Gesamtzahlung von deutlich über 10 Millionen Euro ergeben; bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent läge sie bereits bei mehr als 12 Millionen Euro.
Gleichzeitig sei nach der derzeit im Raum stehenden Berechnung mit einer zusätzlichen Belastung des Gemeindehaushalts von durchschnittlich rund 450 000 Euro jährlich zu rechnen. Rechnerisch entspriche diese Summe bei der Einwohnerzahl Lautertals mehr als 200 Euro je Einwohner und Jahr. Dabei handele es sich ausdrücklich nicht um eine konkrete zusätzliche Grundsteuer pro Person, sondern um die Größenordnung, die jährlich zusätzlich im Gemeindehaushalt erwirtschaftet werden müsste.
Sollten sich keine weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, Fördermittel oder zusätzlichen Einnahmequellen erschließen, dürfte dies den Druck auf die kommunalen Steuern erheblich erhöhen. Eine weitere deutliche Anhebung der Grundsteuer wäre dann zu erwarten; eine mehr als doppelte Belastung gegenüber dem heutigen Niveau kann für die kommenden Jahre nicht ausgeschlossen werden.
Auch „künftige Einnahmen aus Windkraft können für Lautertal eine wichtige Einnahmequelle sein. Sie dürfen aber nicht die einzige Grundlage dafür sein, eine langfristige finanzielle Verpflichtung einzugehen. Wir benötigen eine Finanzierung, die auch dann tragfähig bleibt, wenn sich einzelne Einnahmeerwartungen anders entwickeln als heute angenommen“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende.
„Bei einer Finanzierungssumme von rund 7,5 Millionen Euro sprechen wir nicht nur über 7,5 Millionen Euro. Durch Zinsen und weitere Finanzierungskosten wird daraus über 30 Jahre eine Gesamtbelastung von deutlich über 10 Millionen Euro. Die CDU sieht daher die Notwendigkeit, die verschiedenen Möglichkeiten auf Grundlage „aktueller, belastbarer und miteinander vergleichbarer Zahlen zu betrachten“.