Nach einem Jahr Amtszeit ist Lukas Becker (SPD) in der rund 2300 Einwohner zählenden Gemeinde »angekommen «. Nicht nur als »Neubürger«, sondern auch als Chef der Verwaltung.
Am 1. Juli war der gebürtige Gemündener ein Jahr im Amt. Als Gemeindeoberhaupt konnte er in seinem neuen Job »gleich durchstarten«, denn er hatte nicht nur seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Lautertal absolviert, sondern war danach auch in der Verwaltung tätig und somit mit vielen Abläufen bereits vertraut. Sein »Insiderwissen«, machte ihm den Einstieg in das Bürgermeisteramt leichter. Ob der 27-Jährige inzwischen einige seiner Wahlversprechen bereits umgesetzt hat und welchen Aufgaben er sich aktuell widmet, wollte unsere Zeitung von dem Sozialdemokraten anlässlich seines »Jahrestages« wissen.
»Gute ärztliche Versorgung sichern«, war im Wahlkampf- Flyer von Becker als erster Punkt bei seinen Wahlversprechen zu finden. »Dieses Problem ist nicht von heute auf morgen zu lösen«, erklärt Becker. Laut Kassenärztlicher Vereinigung sei im Versorgungsraum Lauterbach eine Arztpraxis in Lautertal theoretisch möglich. Es habe schon verschiedene Gespräche gegeben, wobei sich abzeichne, dass man notwendige Räumlichkeiten bekomme. Eine Arztpraxis mit 24/7-Angebot werde sich wohl nicht verwirklichen lassen. Er sehe er eine Lösung darin, dass eine schon bestehende Arztpraxis zusätzliche Sprechstunden in Lautertal anbieten werde.
»Mein Ziel ist es, mit dem Biohof Ziegenhain und der Vulkan-Metzgerei in Engelrod eine gute Lösung einer Versorgung mit weiteren Lebensmitteln zu finden«, hatte der Bürgermeister ebenfalls in seinem Flyer angekündigt. Schon damals dürfte ihm klar gewesen sein, dass sich die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Lautertal nicht verwirklichen lasse würde, da die Kaufkraft als zu gering angesehen wird. Er habe aber bei vier Anbietern nachgefragt, die die Belieferung von Partnern vor Ort übernehmen könnten. »Ich sehe keine schlechten Chancen, dass in einem schon existierenden Geschäft das Lebensmittelangebot verbessert werden könnte«, betont Becker ím Gespräch.
Auf der Agenda des Bürgermeisters steht zudem eine moderne, bürgernahe und digitale Verwaltung. Hier habe er schon einiges umsetzen können. »Beispielsweise die Lautertal- App, die schon mehr als 500 Nutzer hat. Tendenz steigend. « Digital könnten schon Personalausweis und Reisepass beantragt werden. »Seit Anfang Juni können die Bürger das notwendige Passfoto direkt bei der Gemeinde machen lassen. Zwischen 30 und 40 Personen haben das Angebot bereits genutzt«, freut sich Becker. In einigen Gemeinden sei schon die »digitale Dorflinde « umgesetzt worden, damit in öffentlichen Einrichtungen und Vereinsgebäuden die Internetnutzung möglich sei. Wenn in Lautertal weiterer Bedarf bestehe, werde er sich um entsprechende Förderung und somit Umsetzung bemühen. »Ich selbst nutze den Bereich Social Media, um über verschiedene Kanäle die Bürger direkt zu informieren.« Er habe sich für das Förderprogramm »Senioren im Netz« beworben, wobei 3500 Euro zur Auszahlung kämen, die für Senioren verwandt werden könnten, um diese digital fit zu machen.
Unter dem Stichwort »familienfreundliches Lautertal«, ist es für Lukas Becker wichtig, den Schulstandort zu sichern und auch den Anforderungen an eine moderne Kindertagesstätte gerecht zu werden. Deshalb ist eine Sanierung der Kindertagesstätte in Engelrod oder ein Neubau in der Nähe der Lautertal Schule Thema, mit dem sich die Lautertaler Gemeindevertreter aktuell befassen. Becker wünscht sich eine »zukunftsorientierte Entscheidung, im Interesse der Kinder der Kommune sowie der Beschäftigen«. Diese Entscheidung solle noch in diesem Jahr getroffen werden, damit die Umsetzungsphase beginnen könne.
»Engagement für Vereine und Ehrenamt sowie Gewerbe « und »unser Klima aktiv schützen« waren weitere Wahlkampfversprechen. Er könne sich zukünftig Helferfeste für ehrenamtlich Tätige vorstellen, er habe sich mit Erfolg um eine Förderung für den Jugendraum bemüht sowie für eine Trikotspende an eine Damenfußballmannschaft gesorgt. »Ich stehe den Vereinen zur Verfügung, wo diese Hilfe benötigten«, betont Becker. Dieses Angebot mache er auch den Gewerbebetrieben, mit denen er wichtige Kontakte pflege und dazu auch schon ein Treffen aller Unternehmen mit ihm organisiert habe.
»Auch eine kleine Gemeinde kann sich um Klimaschutz bemühen «, ist Lukas Becker überzeugt. Für alle Ortsteile, mit Ausnahme von Hörgenau, das durch die entsprechende Vegetation ausreichend Verschattung habe, sei die Installation von Pergolen auf den Spielplätzen zum Sonnenschutz vorgesehen. Ebenso sei die Installation von fünf PVAnlagen auf den Dorfgemeinschaftshäusern beschlossene Sache. Weiterhin habe die Gemeindevertretung entsprechende Beschlüsse gefasst, dass Windenergie für mehr Versorgungssicherheit sorgen solle.
Für die Gemeinde einen Bürgerbus aus eigenen Mitteln anzuschaffen, war ein weiteres Wahlversprechen. Der Bürgermeister will das Fahrzeug nun allerdings über eine Landes- Förderung beschaffen. Aktuell stehen für diesen Bereich keine Haushaltsmittel zur Verfügung. Deshalb wird sich die Umsetzung noch etwas verzögern. Becker hofft, dass im nächsten Jahr das Geld des Landes zur Verfügung stehe. Eine Interessensbekundung habe er aber bereits an die zuständige Landesstiftung versandt. Die Nachbarschaftshilfe Lautertal kann sich eine fachliche Unterstützung vorstellen. Der Bürgermeister kann sich vorstellen, dass dann auch Einkaufs- oder Arztfahrten möglich sein werden. Aber auch zur Nutzung durch die Vereine stünde der Bus dann zur Verfügung.
Lautertals Verwaltungschef Lukas Becker scheint auch ein wahrer »Förderantrag-Fuchs« zu sein. Im ersten Dienstjahr hat er Förderanträge in Höhe von 400 000 Euro auf den Weg gebracht und bewilligt bekommen.
Zusätzlich kann er auf Verträge im Rahmen der EEG-Vergütung verweisen, die Lautertal im Jahr rund 90 000 Euro in die Kassen spülen werden und um die er sich gekümmert habe, indem proaktiv die Unternehmen angeschrieben worden seien.