Lukas Becker steht auf einer sonnigen Anhöhe oberhalb Engelrods. Hinter ihm der Wasserbehälter, der den Lautertaler Ortsteil mit Trinkwasser versorgt, vor ihm der Blick auf sein – möglicherweise – neues Betätigungsfeld: Lautertal. Der fast 26-Jährige schaut an diesem Tag nicht nur über das Engelröder Panorama in der Spätsommerabendsonne, sondern auch auf seinen bisherigen Wahlkampf zurück – und natürlich auch nach vorn. „Die Zielgerade ist im Blick“, lächelt der SPD-Bürgermeisterkandidat. Damit meint er den Wahltag am 8. Oktober, wenn die Lautertaler Bevölkerung darüber abstimmt, ob er für seine erste oder Amtsinhaber Dieter Schäfer für seine zweite Amtszeit einen Wählerauftrag erhält.
Lukas Becker gibt sich zuversichtlich und mit seiner bisherigen Wahlkampfperformance zufrieden. „Ich habe alles getan, um die Bürger abzuholen und mitzunehmen. Am 8. Oktober werden wir sehen, ob mir die Menschen das Amt zutrauen.“ Wenn Becker zurückblickt, dann darf natürlich auch der Umstand nicht fehlen, der diesen Wahlkampf aus der Masse der gleichzeitig auf diesen Superwahltag zusteuernden Wahlkämpfe herausragen lässt. Ein Mitarbeiter und ehemaliger Azubi der Gemeinde Lautertal tritt gegen seinen Vorgesetzten und Förderer an. Dass dies für Erstaunen sorgte und sorgt, darüber ist sich Becker im Klaren, sieht aber darin kein Problem. „Das ist das demokratische Recht eines jeden Bürgers, außerdem führen wir einen fairen Wahlkampf und an der Arbeit lassen wir dieses Thema außen vor. Da arbeiten wir beide professionell zusammen“, versichert er und betont, dass er sich über „keinerlei Spannungen im Umgang mit seinem Chef und Wahlkampfgegner“ beklagen könne.
Er war viel unterwegs, besuchte die Menschen zu Hause, in den Vereinen und in den Unternehmen, hörte sich deren Wünsche an und stellte seine Ideen und Vorhaben vor. Außerdem tourte er durch die Dorfgemeinschaftshäuser und stellte sich den Fragen der Bürger. Nächster Halt auf der Wahlkampfstraße ist dann die Podiumsdiskussion des Lauterbacher Anzeigers, bei der er am Donnerstag, 21. September, um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Engelrod auf Amtsinhaber Dieter Schäfer trifft.
„Frischen Wind“ will der junge Herausforderer nach Lautertal bringen. Er verspricht „mehr direkte Kommunikation mit den Bürgern“ und betont einmal mehr, dass er im Falle eines Wählerauftrages ein Lautertaler werden und vor Ort wohnen wolle. Die „Präsenz und das Engagement vor Ort und die Kommunikation“, das habe er immer wieder von Bürgern und Vereinsvertretern gehört, seien eine wichtige Sache.
Inhaltlich wolle er im Falle eines Wahlsieges, auch das verstehe er nach vielen Gesprächen als Bürgerauftrag, das Thema ärztliche Versorgung zügig angehen. „Lautertal ist die einzige Kommune im Vogelsbergkreis ohne ärztliche Versorgung“, ergänzt er dann. „Das muss sich ändern.“
Aber, auch das betont der 25-jährige Verwaltungsfachangestellte, ihm schlügen auch Bedenken entgegen. „Manche Bürger befürchten, ich könnte das Bürgermeisteramt nur als eine Art Trittbrett für meine weitere Karriere betrachten, nach dem Motto: Wenn ein höheres Amt lockt, bin ich schnell wieder weg!“ Das weist Becker von sich. „Wenn ich gewählt werde, will ich bleiben – nicht nur eine Amtszeit“, versichert er. Natürlich wisse auch er nicht, was in zehn oder 15 Jahren ist. Aber das Amt des Bürgermeisters sei für ihn kein „Trittbrett“, sondern ein Wunschberuf. In der Tat hatte Becker, der sich schon lange in Gemünden politisch in der SPD engagiert, bereits 2016 in einem Interview den Wunsch geäußert, einmal als Bürgermeister wirken zu wollen. Dass dem politisch engagierten Ehringshäuser, der einen Tag vor dem Wahlsonntag seinen 26. Geburtstag feiern wird, hier von einigen Bürgern aber auch höhere Ambitionen unterstellt werden, damit wird er leben müssen. Sollte er gewählt werden, wird er seine Versicherungen unter Beweis stellen können. Überhaupt das Alter: Auch hier, so berichtet er, schlügen ihm bisweilen Bedenken entgegen. „Manche halten mich für gefühlt zu jung für das Amt“, berichtet er. Das Alter sei aber kein Hinderungsgrund. Becker verweist dann auf andere junge Bürgermeister, aus Bad Endbach und Friedewald, oder auf den ehemaligen Kirtorfer Bürgermeister Ulrich Künz, der ebenfalls mit 26 Jahren Bürgermeister wurde – und 42 Jahre im Amt blieb.
Aber noch ist es nicht soweit. Bis zum Wahltag ist es noch ein paar Tage hin.
Auch wenn sich mit einem Wahlsieg-Ticket für den Chefsessel im Lautertaler Rathaus ein Traum erfüllen würde – langweilig würde ihm auch ohne Wahlkampf nicht. Neben seinen politischen Ämtern in der SPD – seit 2016 als Gemeindevertreter in Gemünden/Felda, im Kreisvorstand der SPD, als Vorsitzender der SPD Gemünden und seit 2021 als SPD-Kreistagsmitglied – engagiert er sich auch in der Vogelsberger Bürgerinitiative gegen die Straßenausbaubeiträge und ist überdies auch als Küster in der evanglischen Kirche von Bobenhausen tätig. Dann ist da auch noch die Mitgliedschaft in der Ehringshäuser Feuerwehr, der er seit dem zehnten Lebensjahr angehört, die Tätigkeit in der Lautertaler Tagesalarmsicherheit und der Kürbisanbau im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern. „Für die Gemeinschaft etwas tun – das ist mir wichtig“, versichert er. „Wenn man von klein auf in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit anpackt, dann prägt das“, blickt er zurück. „Man lernt anzupacken und mitzuhelfen.“ Und man lernt auch, Unterstützung zuzulassen. Diese erfährt er durch seine Freundin, mit der er seit sechs Jahren zusammen ist. „Eine starke Freundin an der Seite ist wichtig im Wahlkampf“, betont er und weist außerdem noch auf sein junges Wahlkampfteam hin. Was die Zusammenarbeit mit der Lautertaler SPD betrifft, so ist er dankbar für die Unterstützung, weist aber auch darauf hin, dass „ich mich in meiner Themenwahl nicht habe beeinflussen lassen!“.
Lukas Becker blickt weiter freundlich gelassen vom Wasserbehälter oberhalb Engelrods auf die Lautertaler Landschaft und die Vogelsberger Weite. „Ich bin sehr heimat- und naturverbunden. Hier oben kann ich das besonders gut spüren“, sagt er und genießt die Aussicht. Wie die Aussichten auf den Wahlsieg sind, das wird sich zeigen. Er jedenfalls ist mit sich im Reinen. Er hat sein Bestes gegeben und will es weiterhin geben. Ob es reicht? Am Ende haben dann die Bürger das letzte Wort.
DIE WAHL
Am 8. Oktober wählen die Lautertaler einen neuen Bürgermeister. Gegen den 58-jährigen Amtsinhaber Dieter Schäfer (parteilos) tritt der 26-jährige SPD-Kandidat und Rathaus-Mitarbeiter Lukas Becker an. Am Donnerstag, 21. September, diskutiert der LA mit den beiden Kandidaten ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Engelrod. Die interessierte Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen.