Lautertals Bürgermeister Dieter Schäfer steht im Ortsteil Eichenrod an einem Feldrand und lässt sein Blick über die Fläche streifen. Es ist nicht irgendein Feld, es ist die Erweiterungsfläche für das örtliche Gewerbegebiet und ein wichtiges Projekt für die Zukunft der Gemeinde. Vor ihm erstreckt sich der Industriebau des Unternehmens Metallbearbeitung Wahl, das einen Großteil des bestehenden Eichenröder Gewerbegebietes „In der Hörgenau“ belegt. Nun sollen 3,5 Hektar hinzukommen. Dort, so ist geplant, soll sich ein ortsansässiges Lohn- und Baggerunternehmen ansiedeln, das bislang im Ortsteil Engelrod residiert, sich nun aber vergrößern möchte. „Wer sich hier verwirklichen will, den will ich halten“, erklärt der 58-jährige Rathauschef. Das Feld hinter ihm sei die einzige Fläche gewesen, die baurechtlich für eine Gewerbegebietserweiterung geeignet gewesen sei. Der Grundstückserwerb hierfür wurde ebenso schnell getätigt, wie die Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplans. Bis zu einer möglichen Nutzung gilt es aber noch eine Aufgabe zu lösen…
Die Gemeinde weiter voranbringen und auf einem „erfolgreichen Weg weitergehen“, das will Schäfer mit den Lautertaler Bürgern auch in den kommenden sechs Jahren. Und dafür sieht er sich gut aufgestellt. Am 8. Oktober werden die Bürger zu den Wahlurnen gerufen. Aber schon Anfang des Jahres hat der Amtsinhaber keine Zweifel daran gelassen, dass er für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. Mittlerweile hat er mit Lukas Becker von der SPD einen jungen Gegenkandidaten bekommen. Dieter Schäfer gibt sich kämpferisch. „Ich erhalte viel Unterstützung aus der Bevölkerung und gehe optimistisch in den Wahlkampf“.
Kraft dafür gibt ihm auch seine Familie, die ihn auch im Wahlkampf für eine zweite Amtszeit voll unterstütze und ihm den Rücken freihalte. Seine Bilanz der letzten fünf Jahre könne sich sehen lassen. „Mein größtes Ziel, das schnelle Internet in alle Häuser Lautertals zu bringen, haben wir mit Beharrlichkeit und klar strukturierter Vorgehensweise bereits in meiner ersten Amtsperiode erreicht, auch wenn der Weg dorthin bisweilen steinig war“, schrieb Schäfer bereits in einem Brief anlässlich seines Wiederantretens an die Gemeindevertretung. Auch in puncto Straßenbau sei „sehr viel passiert in meiner ersten Amtszeit“. Nach dem Ausbau der Ortsdurchfahrten in Hopfmannsfeld, Dirlammen und Engelrod sowie der Sanierung der Überlandtrassen zwischen Frischborn und Hopfmannsfeld, Dirlammen und Meiches sowie zwischen Dirlammen und Engelrod habe man nun noch den Ausbau der Ortsdurchfahrten in Hopfmannsfeld und Eichenrod auf dem Schirm und hierfür die Planungen bereits weit vorangetrieben. Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Eichenrod sei „mit ebenso viel Weitblick und Verhandlungserfolg auf den Weg gebracht worden wie die Realisierung neuer Wohnbauflächen in gleich mehreren Ortsteilen“. Lautertal ist überdies seit geraumer Zeit Klimaschutzkommune. Wo hier also „fünf Jahre Stillstand“ geherrscht haben sollen, wie ihm seitens der SPD vorgeworfen wird, könne er nicht verstehen. „Und viele Bürger können das auch nicht“, fügt er an.
Für eine mögliche zweite Amtszeit hat er sich noch viel vorgenommen. Dabei werde man oft von der Aktualität des Momentums eingeholt. Waren in der Vergangenheit der Umgang mit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Flüchtlingsmangement unvorhergesehene Aufgaben, so ist nun, da die Kinderzahlen in der Kita signifikant angestiegen sind, die schnelle Einrichtung einer fünften Kita-Gruppe in Übergangsräumen und ein baldiger Kitaan- beziehungsweise -neubau ganz oben auf Schäfers Agenda. Darüber hinaus seien bereits Investitionen für die nächsten 20 Jahre in den Bereichen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung geplant und schon jetzt jährlich beziffert worden.
„Als hohe Hürde stellt sich mein Wunsch dar, einen allgemeinmedizinischen Arzt an Land zu ziehen. Aber auch dieses Ziel möchte ich nicht aus dem Auge verlieren und beharrlich weitere Gespräche führen. Ebenso werde ich mich weiterhin für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes stark machen, auch wenn bisher noch alle Kontaktierten abgewunken haben“. Auch im Bereich „Digitalisierung“ sei einiges auf den Weg gebracht worden. Schäfer nennt Beispiele: Nach der 2019 erfolgten Umstellung der Finanzsoftware, die nun alle finanzwirksamen Arbeitsschritte papierlos und ohne händische Unterschriften abbildet, ging Anfang August die neue Webseite der Gemeinde online, die den Bürgern nun auch mehr kommunikative Elemente bieten soll, ohne dass dies zu von den Mandatsträgern bereits für zu teuer befundenen Mehrkosten einer App führe.
Apropos Kommunikation: Vorwürfe des politischen Gegners, diese sei im Hinblick auf den Umgang mit den örtlichen Vereinen maßgeblich gestört, weist Schäfer von sich. Es habe in der Tat vor ein paar Jahren einmal ein Problem mit einer untergegangenen Mail gegeben, das aber schnell im Rahmen einer Sitzung mit den Vereinsvertretern im Juni 2020 ausgeräumt habe werden können. Seitdem nutzten die Vereine „rege das Gesprächsangebot“ und wendeten sich direkt telefonisch und persönlich an ihn. Auch spontan, denn „meine Dienstzimmertür ist immer offen für Vereine und alle Bürger, daher verzichte ich auch auf explizite Bürgersprechstunden.“
Die Feuerwehren stünden besser da als jemals zuvor, wie er weiter betont: „Unter anderem mit der Erweiterung des Feuerwehrhauses in Engelrod sollten wir die Feuerwehr Lautertals, für die wir in meiner ersten Amtszeit dann bereits fünf neue Fahrzeuge, dem Feuerwehrhausumbau in Dirlammen und zwei Fahrzeughallen in Eichenrod und Eichelhain realisiert haben“, betont er.
Mitglied in einem Lautertaler Verein ist Schäfer allerdings nicht. „Das habe ich bewusst so gehalten, da ich keinen Verein vorziehen wollte. Aber bei Veranstaltungen und Festen helfe ich gerne und unterstütze so gut, wie es mir als Bürgermeister möglich ist“. Übrigens bereits auch mehrfach mal mit Gesang. Dieter Schäfer, der weiterhin in Maar wohnt und dort auch aktives Mitglied im Gesangverein ist, unterstützt die Chöre, etwa in Hörgenau und Engelrod, bei Bedarf mit seiner Singstimme.
Was seinen Wohnort Maar betrifft, gibt sich Schäfer gelassen. „Sechs von 19 Vogelsberger Rathauschefs wohnen auch nicht am Dienstsitz und verrichten allesamt eine gute Arbeit. Alle wissen, dass ich gut zu erreichen bin und sofort komme – auch außerhalb der Dienstzeiten“. Wenn er im geografisch hintersten Winkel von Meiches wohnen würde, hätte er im Übrigen dieselbe Anfahrtszeit wie aus Maar, ergänzt er. Seine Freizeitaktivitäten musste Schäfer in den vergangenen fünf Jahren zugunsten seines Amtes natürlich etwas zurückschrauben – sei es das Engagement im Chor, beim Maarer Karneval oder auch das Fußballspiel bei den Alten Herren der Spielgemeinschaft Maar-Heblos-Lautertal.
Zurück ins Baugebiet Eichenrod. Hier muss nun noch eine naturschutztechnische Hürde genommen werden, bevor die mitten im Bauleitplanverfahren steckende Erweiterung realisiert werden darf: Die Umsiedlung der dort vorkommenden Feldlerche. Die muss nun noch auf einer passenden Ausgleichsfläche ein neues Zuhause finden. Er sei aber optimistisch, dass mit der nun hierfür gefundenen Fläche alles passt – für eine gute Zukunft für Lautertal – und die Feldlerche
DIE WAHL
Am 8. Oktober wählen die Lautertaler einen neuen Bürgermeister. Der 58-jährige Amtsinhaber Dieter Schäfer (parteilos) tritt gegen den 25-jährigen SPD-Kandidat und Rathaus-Mitarbeiter Lukas Becker an. Am Donnerstag, 21. September, diskutiert der LA mit den beiden Kandidaten ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Engelrod. Die interessierte Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen.