Der frische Wind ist da

Am 1. Juli tritt Hessens jüngster Bürgermeister sein Amt in Lautertal an.

Der 26-jährige Sozialdemokrat Lukas Becker löst seinen bisherigen Dienstherrn im Rathaus, Dieter Schäfer (parteilos), ab, gegen den er bei der Direktwahl am 8. Oktober klar mit 60,08 Prozent gewonnen hatte. Eine kleine Sensation, die medial für großes Aufsehen gesorgt hatte. Die Amtseinführung fand ohne großes Blitzlichtgewitter am Mittwochabend statt.

Mit großem Bahnhof wurde der Gemündener Lukas Becker im Rahmen einer Gemeindevertretersitzung im Engelröder Dorfgemeinschafthaus in sein Amt eingeführt, da dieser formale Akt laut Hessischer Gemeindeordnung (HGO) bis spätestens sechs Monate nach der Wahl erfolgen muss.

Lautertaler Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Politik und öffentlichem Leben, amtierende und kürzlich verabschiedete Rathauschefs aus dem Vogelsberg sowie gleich drei Bürgermeister aus der oberfränkischen Gemeinde Lautertal verfolgten die Amtseinführung, bei der der künftige Lautertaler Verwaltungschef viele Vorschusslorbeeren erntete. Dem in wenigen Wochen scheidenden Rathauschef Dieter Schäfer wurden Dank und Anerkennung für das in den zurückliegenden sechs Jahren Geleistete zuteil.

Kein einfacher Abend für den 58-jährigen Maarer Dieter Schäfer, der gerne eine zweite Amtszeit absolviert hätte, gegen seinen ehemaligen Auszubildenden im Rathaus bei der Direktwahl aber keine Chance hatte. Mit stoischer Gelassenheit - zumindest äußerlich - trug er die Bürde, dem Wahlgewinner, wie von der HGO vorgesehen, die Ernennungsurkunde vorzulesen und zu überreichen. Gemeindevertretungsvorsitzendem Hans-Jürgen Herbst (SPD) oblag es dann, den künftigen Bürgermeister in spe zu vereidigen. »Mach das anständig«, gab Herbst dem 26-Jährigen beim Händeschütteln noch mit auf den Weg, was der mit einem Lächeln quittierte.

Das Lächeln wich dem künftigen Rathauschef während des gesamten Abends nicht mehr aus dem Gesicht. Mit seiner langjährigen Freundin Marina Schmirmund, Eltern, Großeltern und weiteren Familienmitgliedern an seiner Seite genoss Becker seine Amtseinführung sichtlich.

»Danke« wolle er sagen, erklärte Lukas Becker in seiner Antrittsrede. Denn seinen Wahlerfolg habe er vielen Menschen zu verdanken, etwa den Vertretern von SPD und UBG, die ihn unterstützt hätten, aber auch seiner Familie, »ohne die ich nicht der wäre, der ich bin«. Und natürlich seiner Freundin, mit der er nun in Kürze nach Hörgenau ziehen werde. Womit er eines seiner Wahlversprechen einlöse, wie er betonte. Dem Team im Rathaus, dem er seit rund drei Jahren angehöre, dankte er für ein »total faires Miteinander«. Auch seinem »Noch-Chef« Dieter Schäfer dankte er und bescheinigte einen ehrlichen, fairen Kontakt mit ihm, vor und nach der Wahl. »Ich wollte ihm durch meine Kandidatur nie persönlich Schaden zufügen«, betonte Becker und sorgte mit dieser Äußerung für spontanen Applaus des Publikums. Mit Respekt und Demut nehme er sein neues Amt an, in dem er nur mit den Bürgern gemeinsam die Zukunft gestalten könne. Natürlich gebe es große Themen wie die ärztliche Versorgung oder Mobilität für Ältere, aber oft seien es auch die kleinen Dinge, die die Menschen bewegten und für die es gelte, schnelle Lösungen zu finden. Den Fraktionen bot er eine gute Zusammenarbeit und ein konstruktives, offenes Miteinander an. »Ich habe frischen Wind versprochen und der ist da. Lassen Sie uns das Lautertal von morgen gestalten«, rief Lukas Becker den Lautertalern zu.