Das Feedback ist meist positiv

Seit rund zwei Jahren im Amt: Lautertals Bürgermeister Lukas Becker blickt zurück und nach vorn.

Gut zwei Jahre ist Lukas Becker (SPD) nun Bürgermeister von Lautertal. Am 8. Oktober 2023 gewann er die Bürgermeisterwahl als SPD-Kandidat gegen seinen damaligen Chef Dieter Schäfer mit rund 60 Prozent der Stimmen. Der 28-Jährige ist einer der jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister. Wie blickt er auf die vergangenen zwei Jahre zurück und welche Herausforderungen gilt es aktuell zu meistern in Lautertal?

Herr Becker, welche Aufgaben stehen heute noch in Ihrem Terminkalender?

Ich schreibe gerade noch ein paar E-Mails, quasi für den laufenden Betrieb, und dann steht noch die weitere Bearbeitung einiger Förderanträge auf der To-do-Liste. Am Nachmittag ist Kreistagssitzung und heute Abend Sitzung des Gemeindevorstandes.

Apropos – Ihr offener und öffentlichkeitswirksamer Umgang mit dem Thema scheint Schule zu machen. Auf der LA-Podiumsdiskussion in Wartenberg nannte einer der beiden Kandidaten – der künftige Bürgermeister Karsten Ittmann – Sie explizit als Vorbild in Bezug auf Förderanträge…

Das hat mich natürlich gefreut. Wenn man mit gutem Beispiel vorangehen kann, ist das eine gute Sache (lacht). Ohne Fördermittel kommt eine Kommune heutzutage nicht mehr weit. Aber noch besser wäre es, wenn das Land alle Fördermittel in einen Topf werfen und das ohne Auflagen oder Zweckbindung an die Kommunen verteilen würde. Das würde eine Menge Bürokratie einsparen, und die Kommunen wissen ja am besten, wo wie viele Mittel benötigt werden.

Was sind die nächsten großen Aufgaben, die in Lautertal angegangen werden (müssen)?

Es kommt sehr viel Infrastruktur-Sanierung und -Instandhaltung auf uns zu – im Bereich Wasser, Abwasser und Straßen. Dazu die Sanierung der Dächer auf den Friedhöfen… Im kommenden Jahr steht auch die Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Eichenrod – gemeinsam mit Hessen Mobil – auf der Agenda.

Eines der größten Lautertaler Projekte ist der Neubau der Engelröder Kita. Laut den Einschätzungen des Büros Schüllermann und Partner gibt es ja bei den Varianten „Investor“ oder „Bau in Eigenregie“ keine großen Unterschiede bei den Kosten. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja, da liegen die Summen dicht beieinander. Am Ende kommt es darauf an, wo sich die Politik am wohlsten, genauer gesagt am sichersten fühlt. Sieben Millionen Euro an Gesamtbaukosten, das ist eine Summe, die einen erst einmal erschlägt. Realistisch kann man nur ein bis zwei Jahre gut überschauen. Es ist eine große, aber notwendige Herausforderung, bei der man schauen muss, die Belastungen für die Kommune im Rahmen zu halten. Wie entwickeln sich die Steuern, Fördermittel und Zinsen in den kommenden Jahren? Das sind alles noch unbekannte Größen. Aber eine Sanierung des Bestandsgebäudes würde auch nicht viel billiger. Abgesehen davon, dass uns das Gebäude ja auch nicht gehört. Und wir würden bei einer Sanierung auch nicht den Standard bekommen, den wir gerne hätten. Stand jetzt haben wir übrigens zehn Kinder auf der Warteliste, die aus Platzgründen nicht angemeldet werden können.

Auch eine modulare Bauweise ist mittlerweile im Gespräch…

Ja, das geht hinsichtlich der Bauweise natürlich schneller mit Modulen. Bis Jahresende sollten wir aber eine Richtung haben, wo es hingehen soll.

Was war in den vergangenen zwei Jahren Ihre größte Herausforderung im Amt?

Die letzten zwei Jahre sind erschreckend schnell vergangen. Ich kann da gar nicht von „der“ Herausforderung sprechen. Es ist eher eine permanente Aufgabe, die sicher auch mal herausfordernd sein kann, die Menschen mit meiner Politik mitzunehmen. Das Feedback, das ich wahrnehme, ist meist positiv. Die Leute scheinen zufrieden mit dem, was und wie ich es mache.

Lautertal ist 2021 dem Bündnis der hessischen Klima-Kommunen beigetreten. In diesem Rahmen setzt die Gemeinde gezielte Maßnahmen für den Klimaschutz, die lokale Energiewende und den Naturschutz um. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Entwicklung und wie bewerten Sie die Resonanz aus der Bevölkerung zu diesem Thema?

Beim Thema Klimaschutz sind es viele kleine Maßnahmen, die zusammen viel bewirken können, etwa unter dem Stichwort „Hitzeschutz“ Pergolen auf Spielplätzen oder Raffstores an den Fenstern im Dorfgemeinschaftshaus Dirlammen. Wir haben in Eichelhain eine 50 Kubikmeter fassende Zisterne verbaut. Die Waldrandgestaltung wird über das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ umgesetzt. Es sollen noch geförderte Photovoltaikanlagen auf den Kläranlagen in Meiches und Engelrod installiert werden. Aktuell arbeiten wir an PV-Anlagen auf weiteren vier Kläranlagen. Auch Brunnen sollen PV-Anlagen für den Eigenstromverbrauch bekommen. Und dann gibt es noch Förderungen für die Bürger, wenn sie Fenster und Türen klimagerecht erneuern. Solche Maßnahmen sind sichtbar für die Leute. Als Klimakommune können auch höhere Fördersummen generiert werden. Mit der Entwicklung bin ich zufrieden, und die Bürger sind es auch.

Nach dem vermeldeten Aus für Tegut ist die Zukunft des Einzelhandels im Vogelsberg durch das „Tante Enso“-Konzept wieder verstärkt in den Fokus gerückt. In Lautertal gibt es derzeit keinen stationären Lebensmittel- beziehungsweise Supermarkt, wenn man mal von der Vulkan-Metzgerei in Engelrod absieht. Wäre ein genossenschaftlich organisiertes Konzept wie „Tante Enso“ auch für Lautertal denkbar?

Möglich wäre es. Da gibt es aber mehrere Konzepte für Dorfläden, etwa „Mein Markt 24“. Das war auch schon mal im Gespräch in Lautertal. Das würde so laufen, dass Technik, IT, und Betreuung gestellt werden. Dazu braucht es dann aber einen Unternehmer vor Ort. Das ist aber nicht so einfach. Oft bekomme ich von Anbietern und Händlern gesagt, dass man Orte mit 1000 bis 1500 Menschen benötige, um eine Ansiedlung in Erwägung zu ziehen. Eine weitere Möglichkeit wären Gespräche mit regionalen Metzgereien, Bäckereien oder Märkten, wie man deren Geschäfte auf Lautertal erweitern könne, etwa durch Fördermittel. Hinzu kommt, dass wir ja bereits Teile der Lautertaler Kaufkraft nach Herbstein verkauft haben. Es braucht am Ende jemanden, der sagt: „Ich mache das!“ Ich bin gespannt, wie sich das „Tante Enso“-Konzept im Vogelsbergkreis entwickelt.

Der amtierende Freiensteinauer Bürgermeister Sascha Spielberger hat als einen Hauptgrund für sein Nicht-mehr-Antreten zur Wahl am 13. September auch den mangelnden Handlungsspielraum im Amt angeführt. Sehen Sie das ähnlich? Und macht Ihnen das Amt dennoch Spaß?

Zunächst einmal: Sascha Spielberger hat recht: Viele Landes- und Bundesvorgaben werden nicht refinanziert. Die Vorgaben kosten die Kommunen viel Geld und oft auch Nerven. Ich muss mich aber auch fragen: Welche Ansprüche habe ich? Will ich den großen Wurf oder auch die kleinen Bürgeranliegen gut behandeln? Beides ist natürlich wichtig. Aber es sind oft Investitionen in kleinere Dinge, die etwas bewirken und die sichtbar sind. Etwa die aufbereiteten Parkettböden in den Dorfgemeinschaftshäusern oder die Einlaufgitter bei verrohrten Bachläufen. Ja, das Amt macht mir Spaß. Und es gehört auch dazu, Dinge zu kritisieren und Finger in Wunden zu legen. Denn die Kommunen sind am Ende der Hampelmann, an dem alle ziehen.

Was gefällt Ihnen am meisten daran, Bürgermeister zu sein?

Ganz konkret für die Menschen in Lautertal zu arbeiten und deren Anliegen zu hören und, wenn möglich, zu lösen. Das ist es ja, was ein „Bürger“-Meister machen sollte.

Sie sind nun etwas mehr als zwei Jahre im Amt. Ist es so, wie Sie gedacht haben, oder ganz anders?

Ersteres. Auch wenn man sich vor dem Amtsantritt natürlich nicht wirklich alles vorstellen kann, was auf einen zukommt. Aber die Zusammenarbeit mit den Gremien ist gut. Wenn es mal Streit gibt, dann nur um die Sache und nie um Persönliches. Ich fühle mich bei den Veranstaltungen in der Gemeinde sehr wohl. Den Umzug nach Lautertal habe ich erledigt und ich nehme zahlreiche der Vereinsveranstaltungen wahr. Dann kann man auch viele Fragen direkt klären.

Auch wenn Sie die Halbzeit Ihrer ersten Amtszeit noch nicht erreicht haben – würden Sie für eine zweite kandidieren?

Stand jetzt, würde ich wieder antreten.