Bei der Einbringung des Lautertaler Haushaltsentwurf fand Bürgermeister Lukas Becker in der letzten Gemeindevertretersitzung des Jahres deutliche und warnende Worte, denn die kleine Kommune hat im kommenden Jahr ordentlich zu kämpfen, um über die Runden zu kommen. Immerhin: Der Haushalt ist aufgrund der vorhandenen Rücklagen gemäß den Vorgaben der hessischen Gemeindeordnung (HGO) ausgeglichen. Die Teilhaushalte stellen sich zusammenfassend wie folgt dar: Im ordentlichen Ergebnishaushalt wird mit einem Fehlbetrag von minus 158 100 Euro kalkuliert. Der Finanzhaushalt weist Rekordinvestitionen in einem Gesamtumfang von rund 2,5 Millionen Euro aus, von denen rund 1,6 Millionen Euro über Einnahmen abgedeckt sind.
„Zur Sicherstellung des verbleibenden ungedeckten Zahlungsmittelbedarfs aus Investitionstätigkeit hat die Gemeinde Lautertal für 2026 eine Darlehensaufnahme über 881 800 Euro veranschlagt“, ergänzte der Bürgermeister. Bei der vorgesehenen Kreditaufnahme von 881 800 Euro und einer Tilgung von 262 300 Euro weise das vorliegende Zahlenwerk eine Netto-Neuverschuldung in Höhe von 619 500 Euro aus. Die Kreditverbindlichkeiten würden sich dann zum 31. Dezember 2026 auf voraussichtlich rund 4,8 Millionen Euro belaufen. Hierbei sei schon berücksichtigt, dass der noch nicht aufgenommene Restkreditbetrag aus 2025 in Höhe von 500 000 Euro und der für 2026 veranschlagte Kredit in Höhe von 881 800 Euro tatsächlich vollumfänglich in Anspruch genommen werde und für letzteren im Haushaltsjahr 2026 nur eine anteilige Tilgung erfolge.
Hinsichtlich des Stellenplans gebe es, laut Becker, 2026 keine Veränderungen. Bei der an den Vogelsbergkreis abzuführenden Kreisumlage wird mit einem Hebesatz von 37,69 Prozent kalkuliert. Die Schulumlage bleibe nach derzeitigem Erkenntnisstand bei 19,80 Prozent. Dennoch wären hier in der Summe für beide Umlagen rund 292 100 Euro mehr als im Vorjahr an den Vogelsbergkreis abzuführen, so der Bürgermeister. Die aufgrund höherer Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2024 gebildete Rückstellung in Höhe von rund 243 000 Euro müsse in diesem Bereich noch aufgelöst werden. Die Schlüsselzuweisungen führten gegenüber dem Vorjahr zu Mindereinnahmen von rund 405 700 Euro.
Mit Mehreinnahmen hingegen dürfe nach den Orientierungsdaten des Landes Hessen beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer (plus 60 400 Euro), am Anteil an der Umsatzsteuer (plus 16 000 Euro), sowie beim Familienleistungsausgleich (plus 3600 Euro) gerechnet werden. Außerdem könne die Soforthilfe in Höhe von 56 700 Euro aus dem Nachtragshaushalt des Landes Hessen, die im November ausgezahlt wurde, „ergebniswirksam im Haushaltsjahr 2026 verwendet werden“. Vorbehaltlich der endgültigen Festsetzung der Grundsteuerhebesätze in der Gemeindevertretung wurde zunächst für die Grundsteuer A mit 250 Prozent und für die Grundsteuer B mit 320 Prozent kalkuliert. Der Gewerbesteuerhebesatz bleibe unverändert bei 385 Prozent.
Eingeplante Investitionen
Im Bereich Klimaschutz werde es auch im kommenden Jahr wieder Maßnahmen geben. So solle etwa ein Tauchkörper und eine PV-Anlage in der Kläranlage Meiches sowie ein Energiesystem in der Kläranlage Engelrod installiert werden, für insgesamt 272 000 Euro. „Zusätzlich planen wir mit Ersatzgeldern für Naturschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Gestaltung eines naturnahen Waldrandes. Eine 100-Prozent-Förderung ist hier möglich und mit 60 000 Euro im Haushalt veranschlagt.“
Weitere wichtige Investitionsprojekte sind unter anderem die Erschließung des Gewerbegebietes „In der Hörgenau“ für 107 000 Euro, Wasserleitungsarbeiten im Rahmen der Sanierung der Ortsdurchfahrt Hopfmannsfeld für 138 000 Euro sowie für ein Notstromaggregat und die Einspeisepunkte in den Brunnen Auszahlungen für 20 000 Euro. Für die Erschließung des Gewerbegebietes „In der Hörgenau“ seien vorsorglich 180 000 Euro und für die Kanalsanierung der Ortsdurchfahrt Hopfmannsfeld weitere 243 000 Euro veranschlagt.
Für die Ortsdurchfahrt von Hopfmannsfeld werden 510 000 Euro vorgesehen. Hinzukommen rund 140 000 Euro für die Beschaffung von Notstromaggregaten für die Versorgung öffentlicher Gebäude bei einem Stromausfall. Zudem steht die Umsetzung der Renaturierung des Eisenbachs für 550 000 Euro im Jahr 2026 auf der Agenda. Auch in die Dorfgemeinschaftshäuser mit einem Parkettboden sollen in die Aufbereitung der Böden 48 000 Euro investiert werden. Trotz einer angespannten Finanzlage investieren wir auch im kommenden Jahr massiv auf Rekordniveau in unsere Gemeinde und die Infrastruktur, so der Bürgermeister.
Neben den nackten Zahlen blickte Becker auch über den Lautertaler Tellerrand hinaus. „Eine gesunde Finanzlage kann nur gehalten, beziehungsweise erreicht werden, wenn die Finanzausstattung der Gemeinden von Bund und Land deutlich verbessert wird. Immer mehr Aufgaben werden auf die unterste Gemeindeebene verlagert, ohne dabei das verfassungsmäßig verbriefte Konnexitätsprinzip anzuwenden. Kleine Gemeinden in unserer Größenordnung warten nach wie vor darauf, dass die vielfach propagierte Stärkung des ländlichen Raums monetär endlich bei solchen Kommunen einmal ankommt“, so Becker. Nur mit einer verlässlichen Finanzausstattung durch übergeordnete Ebenen könne es den kleinen Gemeinden gelingen, auch künftig nicht nur bedarfsdeckend, sondern auch steuernd agieren zu können.
Insgesamt bleibe festzuhalten, so Becker, dass es „bei Anwendung einer restriktiven Sparpolitik“ quer durch das gesamte Zahlenwerk angesichts der steigenden Kosten, denen keine Einnahmeerhöhungen im gleichen Umfang gegenüberstünden nur über den Verkauf von generierten Ökopunkten, die neue EEG-Vergütung, die Erhöhung der Pachterträge im ordentlichen Ergebnishaushalt, sowie die geplanten Grundstücksverkäufe im außerordentlichen Ergebnishaushalt gelinge, einen geringen Überschuss in Höhe von 12 500 Euro im Gesamtergebnishaushalt abzubilden.
Warnung vor Steuererhöhungen
„Ohne den für 2026 geplanten Verkauf von generierten Ökopunkten sowie die neue EEG-Vergütung und die Mehreinnahmen aus dem Repowering Goldner Steinrück wäre das Defizit noch deutlich höher“, mahnte der Bürgermeister. Anhand der mittelfristigen Ergebnis- und Finanzplanung zeige sich, dass es ein „Weiter so!“ künftig nicht mehr geben könne. Sofern die Finanzausstattung von Bund und Land nicht schnell zu einer deutlichen Verbesserung führe, werde man sich spätestens mit der Aufstellung des Haushaltsplanes 2027 mit weiteren einschneidenden Steuer- und Gebührenerhöhungen für die Bürger auseinandersetzen müssen, warnte Bürgermeister Becker abschließend.
Haushalts-Eckdaten für Lautertal
- Gesamtvolumen: rund 7 Millionen Euro
- Investitionen: rund 2,5 Millionen Euro
- Schulden: rund 3,7 Millionen Euro
- Hebesätze für:
- Grundsteuer A: 250 %
- Grundsteuer B: 320 %
- Gewerbesteuer: 385 %