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Wir wollen uns bundesweit bekanntmachen
Regionale Vermarktungsstrategie: Geopark und Vulkanismus sollen Touristen in Wetterau- und Vogelsbergkreis locken - Vulkaneum für Schotten.
Das Erfolgsrezept ist lang. Rund 400 Seiten umfasst das Gutachten, das für den Vogelsberg- und Wetteraukreis die Richtung zu einer neuen Tourismus-Werbung weisen soll. Die beiden Landkreise wollen zusammen mit der kleinen Stadt Schotten das Thema Vulkanismus für ihre Vermarktung künftig stärker nutzen. "Wir wollen uns bundesweit bekanntmachen", sagt der Sprecher des Vogelsbergkreises, Erich Ruhl. Auf lange Sicht will der Vogelsberg sogar in den elitären Kreis der zertifizierten Geoparks aufgenommen werden. Ein Pfund, mit dem man wuchern kann, hat der Vogelsberg allemal - er ist das größte Vulkanmassiv auf dem europäischen Festland.
Das Basaltmassiv erstreckt sich über 2400 Quadratkilometer - das sind elf Prozent der hessischen Landesfläche - und berührt sechs Landkreise: neben Vogelsberg und Wetterau auch Gießen, Main-Kinzig, Fulda und Marburg-Biedenkopf. Zwar ruht der Vulkan seit sechs Millionen Jahren, ein spannendes Thema kann er in Zukunft für potenzielle Touristen dennoch sein.
Angeboten werden können etwa Wanderungen über einen versteinerten Lava-See oder Exkursionen in Steinbrüchen. Geologen, die mit dem Gutachten über Möglichkeiten des Vulkanismus-Themas zur Tourismus-Werbung beauftragt wurden, identifizierten 24 Geotope, die sich als Sehenswürdigkeiten eignen. Auf dem Hoherodskopf in Schotten soll ein Vulkaneum entstehen. Das Besucherzentrum soll als überregional wirksame Informations- und Erlebniseinrichtung dienen. "Das Vulkaneum als 'Spinne im Netz' des Geoparks kann nicht nur zusätzliche Wertschöpfung in die Region bringen, sondern auch zu einem weithin ausstrahlenden Imagefaktor werden", sagt Projektleiter Harald Kunze. "Vulkanismus und Leben" soll das Leitthema und Alleinstellungsmerkmal der Region Vogelsberg werden. Dabei könne man sehr gut die Aspekte Gesundheit, Wasser, Flora und Fauna, Besiedlungsgeschichte und Baukultur, Bergbau, Handwerk und Kunst und nicht zuletzt den Bereich Sagen und Märchen den Besuchern nahe bringen.
Die Experten rechnen mit 100 000 Besuchern jährlich im Infozentrum. Berechnungen zufolge sind durch das Thema Vulkanismus jedes Jahr drei Millionen Euro an Wertschöpfung erzielbar. Zu einem Motor der Wirtschaftsförderung soll der Geopark werden.
"Im nächsten Jahr wollen wir beantragen, dass wir uns Nationaler Geopark nennen dürfen. Die Voraussetzungen dürften wir jetzt schon erfüllen", sagte Gerold Beckmann, Leiter der Sektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft.
In Deutschland gibt es derzeit zwölf Nationale Geoparks, einer davon ist der Naturpark Bergstraße-Odenwald. In einigen Jahren sind laut Beckmann auch Bemühungen um eine zusätzliche Aufwertung durch die Weltkulturorganisation UNESCO denkbar.
Davon existieren nur 50 weltweit. Die Benennung als Geopark ist eine Art Gütesiegel und dokumentiert naturkundliche Sehenswürdigkeiten.
Die Erdgeschichte soll in ihnen erlebbar gemacht werden. Geführte Wanderungen von Fachleuten und Ausstellungen sollen dabei zum Beispiel über das Entstehen von Landschaften informieren, wie ein Experte der Deutschen Unesco-Kommission sagte.
21.09.2009
