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"Ohne genug Zeit gibt es keine Palliativ-Versorgung"



9. Vogelsberger Tag der Pflege widmet sich der Begleitung in der letzten Lebensphase.

"Wir wollen mit dem Tag der Pflege auf unsere Arbeit aufmerksam machen", betonte Christian Schick, Pflegedienstleiter der Diakoniestation Hoher Vogelsberg, bei der Vorstellung des Programms zum 9. Vogelsberger Tag der Pflege. "Palliativ-Versorgung - Begleitung in der letzten Lebensphase" ist das Thema der Veranstaltung am Samstag, 8. November, von 14 bis 17 Uhr in der Schottener Festhalle. <//font>

Neben der diesmal federführenden Diakoniestation laden noch die gleichnamigen Einrichtungen Ohm-Felda und Lauterbach sowie die Sozialstationen Alsfeld/Romrod, die Arbeiterwohlfahrt Lauterbach und der Zweckverband Soziale Dienste Antrifttal/Kirtorf zu der Veranstaltung ein, die unter der Schirmherrschaft der Kreisbeigeordneten Sylke Emmermann steht.

"Zum Leben gehört auch das Sterben. Lebensqualität auf dem letzten Lebensabschnitt kann schon bedeuten, nur für ein oder zwei Stunden die Schmerzen zu lindern", so Christel Kisser, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Ohm-Felda, zum Hauptziel der palliativen Behandlung und Betreuung eines Patienten. Dabei stehe nicht die Erkrankung im Mittelpunkt, sondern das Bestreben, die verbleibende Zeit für den Patienten so angenehm wie möglich zu machen. Für die Pflegekräfte bedeute dies einen verstärkten Zeiteinsatz, zumal auch die Angehörigen in dieser schwierigen Situation besonders betreut werden müssten. "Ohne Zeit keine Palliativ-Versorgung", machte die Pflegedienstleiterin deutlich.

Glücklicherweise zeige jetzt auch die Politik Interesse an diesem Thema. Seit dem 1. April 2007 gehört die ambulante Palliativ-Versorgung zur Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings ist die Finanzierung dieser Leistungen ein Thema, das von den Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems nicht ausgenommen ist.

Für die besondere Palliativ-Versorgung können aus Kostengründen keine neuen Pflegekräfte von den gemeinnützigen Diakoniestationen eingestellt werden. So sind entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen nötig, um die vorhandenen Pflegekräfte auf die besondere Situation der Betreuung der Sterbenden einzustellen. "Wir müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann aber gleich ins kalte Wasser schicken, es bleibt keine Zeit, sie behutsam in die Praxis einzuarbeiten", betonte Christian Schick.

Unabdingbar, um die körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen Schmerzen der Patenten und Angehörigen lindern zu können, sei der Aufbau eines Netzwerkes unterschiedlicher Berufsgruppen. Pflegekräfte, Ärzte, Sozialarbeiter, Seelsorger und Therapeuten, aber auch ehrenamtliche Hospizhelfer müssten darin eingebunden werden, um den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und den Patienten die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen. Allerdings müsse auch in den betroffenen Familien das entsprechende Bewusstsein vorhanden sein, sich der schwierigen Situation zu stellen und entsprechende Hilfe anzunehmen. "Mit unserem Palliativ-Angebot könne wir Schwerstkranke auch zu Haus versorgen", so Schick.

Im Programm des Tages der Pflege bildet der Fachvortrag der Pflegefachkraft und Kursleiterin Palliativ-Care, Manuela Straub (Fulda), einen Schwerpunkt. Außerdem ist ein Workshop Schmerztherapie mit Dr. Viola Rippin (Gedern) vorgesehen. Für die musikalische Umrahmung wird das Jugendorchester des Vogelsbergkreises sorgen. Außerdem sind Informationsstände vorgesehen von den beteiligten Sozial- und Diakoniestationen im Vogelsbergkreis, der Hospizgruppe Schotten/Nidda, der Nachbarschaftshilfe Schotten, der auf dem Gebiet der Schmerztherapie spezialisierten Firma Mundipharma aus Limburg, der Fachfirma für Ernährung B. Braun (Melsungen) sowie Elkes Buchladen.

Bilder, die sich mit dem Thema der Palliativ-Versorgung auseinandersetzen, werden von der Fotografin Nadine Stange ausgestellt. Weitere Informationen unter Telefon 06644/7474.

Lauterbacher Anzeiger (sw)
16.10.2008

 

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