Aktuelles | Vogelsbergkreis - Details
Kreis steht vor großen Herausforderungen
Strategietagung zum Thema "Demografischer Wandel" - Landrat ruft zu aktiver und selbstbewusster Lobbyarbeit auf.
Die Probleme sind hinlänglich bekannt, die Prognosen verheißen nichts Gutes: Der demografische Wandel wird sich in den nächsten Jahren im ländlichen Raum besonders stark auswirken. Patentrezepte, die Schwierigkeiten zu bekämpfen, gibt es nicht, aber der Vogelsberger Landrat Rudolf Marx und auch Dr. Jan Hillgardt, der Direktor des Hessischen Landkreistages, zeigten sich gestern durchaus zuversichtlich, dass der "Berg zu erklimmen" ist, wie sie bei einer Tagung im Romröder Bürgerhaus betonten.
"Wir werden weniger, aber nicht unsere Probleme", sagte Marx, der Bürgermeister oder deren Vertreter aus allen Vogelsber-ger Gemeinden sowie Amtsleiter aus der Kreisverwaltung zu dieser "ersten gemeinsamen Strategietagung" über demografischen Wandel. Die Folgen dieser Entwicklung würden den Kreis und die Kommunen im Vogelsberg "vor große Aufgaben und Herausforderungen" stellen, die nur gemeinsam bewältigt werden könnten. Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen müssten an den zunehmenden Rückgang und die Alterung der Bevölkerung sowie die finanziellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Aber: "Gleichzeitig dürfen wir die gewachsene regionale Identität und das Selbstwertgefühl der Vogelsbergerinnen und Vogelsberger nicht untergraben", mahnte der Landrat. Gleichwohl müsse vor dem Hintergrund leerer Kassen gefragt werden, welche Standards noch sinnvoll und tragbar für den ländlichen Raum seien. Dabei dürfe der Vogelsberg allerdings nicht nach den Maßstäben der urbanen Regionen beurteilt werden. "Der ländliche Raum in Hessen darf in Wiesbaden nicht als Anhängsel an die Metropolregion Rhein-Main wahrgenommen werden", forderte Marx. Die Zentren würden in hohem Maß von der Arbeit und den Potentialen des ländlichen Raums profitieren. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken", sagte Marx und wies auf die Erholungsfunktion, die Rolle als Trinkwasserlieferant oder als Erzeuger hochwertiger Lebensmittel hin. Der Landrat forderte allerdings eine "Modifikation der fiskalischen Ausgleichssysteme und Zuweisungsschlüssel." Ganz entscheidend sei dabei die "Entkoppelung der Maßnahmenkriterien von der Einwohnerzahl".
Der Landrat rief zu einer "aktiven und selbstbewussten Lobbyarbeit" für den ländlichen Raum auf. Die Voraussetzungen, um die Probleme des demografischen Wandels zu beheben, seien "nicht so schlecht wie anderswo", zeigte er sich zuversichtlich und erinnerte beispielsweise an die Regional- und Dorfentwicklung, die seit 20 Jahren Demografiepolitik im Kreis umgesetzt habe. Seit Beginn der Dorferneuerung in den 70er Jahren seien rund 60 Millionen Euro in den Kreis geflossen. "Allein seit dem Jahr 2000 waren es 23 Millionen Euro mit einem Investitionsvolumen der Kommunen und Bürger von mehr als 70 Millionen Euro", rechnete Marx vor. Zudem seien im Bereich der Regionalentwicklung in den vergangenen zehn Jahren weitere 5,5 Millionen an Fördermitteln bei einem Investitionsvolumen von 18 Millionen in den Vogelsberg geholt worden. "Wir sind die größte LEADER-Region in Hessen", so die stolze Bilanz.
Trotz dieser Erfolgsmeldung drückt die Vogelsberger Kommunen der Schuh. Wo genau die Probleme liegen, hatten die Bürgermeister im Vorfeld in einem Interview erläutert, dessen Ergebnisse gestern Susanne Neumann von der Entwicklungsgesellschaft "neuland+" zusammenfasste. An erster Stelle nannte sie die prekäre finanzielle Lage der Gemeinden. Ohne veränderte Umlagesysteme sei gar die Zukunftsfähigkeit der Kommunen in Frage gestellt. Notwendig sei zudem eine eigene Lobbyarbeit auf Landesebene gemeinsam mit ähnlich strukturierten Landkreisen und deren Abgeordneten, so die Referentin.
Bis zum Jahr 2025 wird die Vogelsber-ger Bevölkerung von 112 000 auf 103 000 Einwohner schrumpfen, das Durchschnittsalter wird von 44,6 auf 48,8 Jahre steigen und im Jahr 2050 werden nur noch 79 000 Menschen im Kreis leben. Diese erschreckenden Zahlen nannte Dr. Jan Hillgardt, der Direktor des Hessischen Landkreistages, der den Kommunalpolitikern erklärte, dass ein "schwieriger und langer Prozess" vor ihnen liegt. Ein Patentrezept gebe es nicht, vielmehr müssten individuelle Lösungen für jede Kommune und Region gefunden werden. Der politischen Führung käme dabei eine Schlüsselfunktion zu.
Hillgardt sprach auch eine mögliche interkommunale Zusammenarbeit an. Bisher habe sich eine solche Kooperation auf Erfahrungsaustausch und die Erschließung gemeinsamer Potentiale erstreckt. Es habe lediglich so genannte "Win-win-Kooperationen" gegeben, Zuwächse seien verteilt worden, keiner habe etwas abgeben müssen. Nun müsse es darum gehen, Arbeiten und Aufgaben zu verteilen, um Kosten zu sparen und Qualität zu sichern. Vom "Kirchturmdenken" müsse Abstand genommen werden. Den Kreis sah Hillgardt als "geborenen Kooperationspartner" an. Er könne beispielsweise Leistungen übernehmen, die von den Gemeinden nicht mehr geschultert werden könnten und damit die Grundversorgung der Bürger sichern.
Am gestrigen Nachmittag arbeiteten die Kommunalpolitiker und Mitarbeiter der Kreisverwaltung in Arbeitsgruppen verschiedene Themen aus, unter anderem ging es auch um interkommunale Kooperation. Die Ergebnisse der einzelnen Workshops sollen in etwa drei Wochen in einer Pressekonferenz vorgestellt werden.
21.04.2010
Oft gesucht
Aktuelles:
Anerkennung für die Arbeit von Hans Lang
"Ich habe Respekt vor der hervorragenden Tätigkeit von Hans ...
Der 7500. Spender erhielt ein Präsent
Am 28. Dezember 1973 fand in Engelrod der erste Blutspendetermin ...
