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Innovativer Impulsgeber und der Beginn einer Erfolgsstory



Rudolf Marx und Rolf Gnadl zum Wert des Vulkanradwegs für die Region.

Heute ist der Vulkanradweg durch Vogelsberg und Wetterau mit seiner überregionalen Verknüpfung aus dem Herzen Hessens nicht mehr wegzudenken. Nicht nur ermöglicht er begeisterten Radfahrern, Deutschland vom Süden bis in den Norden auf Radwegen zu durchfahren: Seit ihrer Entstehung ist die Strecke wichtiger Impulsgeber für Region und Land. "Der Vulkanradweg ist ein Glücksfall für unseren schönen Vogelsberg und eine echte Innovation", kommentiert Vogelsberg-Landrat Rudolf Marx den zehnten Geburtstag der Radstrecke, die als erste in Hessen auf einer ehemaligen Bahntrasse angelegt wurde.

Dass der Vulkanradweg ein impulsgebendes Highlight sowohl im Vogelsberg als auch in der Wetterau ist, darin sind sich Marx und OVAG-Vorstandsmitglied Rolf Gnadl unabhängig voneinander einig. "Ich messe dem Radweg höchste Bedeutung zu", betont Gnadl, der von 1992 bis Ende 2007 Landrat des Wetteraukreises war und sich in dieser Funktion für den Radweg einsetzte.

"Früher konnte man hier im Vergleich zur norddeutschen Küste oder Holland schlecht Rad fahren. Deshalb habe ich mich von Anfang an stark gemacht, dass die Planung, der Bau, die Beschilderung und Kartierung voran gebracht wurden. Mittlerweile ist es so, dass in der Wetterau über 1000 Kilometer Radweg zur Verfügung stehen" erklärt Gnadl, der selbst passionierter Fernradfahrer ist.

Ein Glanzpunkt unter den Radwegen in Deutschland ist der Vulkanradweg laut dem ehemaligen Wetterau-Landrat aus verschiedenen Gründen: "Der Vulkanradweg hat den dritten Preis vom Verkehrsclub Deuschland erhalten. Er ist ein Highlight unter den Radstrecken, weil er eine überregionale Verknüpfung hat. Das heißt, man kann von Bayreuth über den Vulkanradweg bis nach Bremen fahren." Zudem verlaufe die Radstrecke weitgehend abseits der Straße in schönster Landschaft mit guter begleitender Infrastruktur. "Das Umfeld des Vulkanradwegs ist gut: Rastplätze, Fahrradverleihstationen, Gastronomie, das Beherbergungsgewerbe, die Ausstattung mit Kunst, Museen und Freizeiteinrichtungen", sagt Gnadl. "Sowohl Gastronomie als auch Museen entlang der Strecke haben sich erweitert und inhaltlich verbessert."

Die Beharrlichkeit kluger Bügerinitiativen und die Weitsicht von Kommunalpolitikern unterschiedlichster Couleur "haben etwas wirklich beispielgebendes in die Welt gesetzt", unterstreicht auch der Landrat des Vogelsbergkreises. Denn das habe es im Hessenland zuvor nicht gegeben: Aus einer Bahntrasse wurde eine Fahrradbahn.

Der Clou dabei, der sich zwischenzeitlich laut Marx als der "Renner" und starker Impulsgeber im regionalen Tourismuskonzept erwies: Die Ingenieure, die um 1900 die Bahnstrecke von Lauterbach nach Stockheim topographisch so planten, dass möglichst wenig Kohle in der Lokomotive verfeuert werden musste, standen 100 Jahre später Pate für die Geschmeidigkeit der Radstrecke: Mit der geringen und nur gelegentlichen Steigung von drei oder vier Prozent überwinden die Radfahrer ohne große Anstrengung 400 Höhenmeter.

Sowohl nach innen als auch nach außen war der Vulkanradweg aus Sicht von Marx Impulsgeber. Nach innen enwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren um diese Achse ein dichtes Netz gut ausgebauter und einheitlich ausgeschildeter Radstrecken. Darüber hinaus entwickelten sich interessante Akzente im Bereich der Gastronomie entlang der Strecke - in weiser Voraussicht, dass Radfahrtouristik ein echter Markt ist, einschließlich "Bett und Bike" mit allem, was dazu gehört.

Ende der 1990er Jahre begann sich allmählich in Hessen eine Infrastruktur zertifizierter Fernradwege zu entwickeln. "In dieser Zeit kam das Highlight Vulkanradweg im Vogelsberg, also im Herzen des Landes, genau richtig", freut sich Landrat Marx. In der Region und in ganz Hessen habe die touristische Innovation wie ein Katalysator gewirkt. Mit der Ausweisung, Kartierung und Zertifizierung der Fernradwege - wovon der Vogelsberg mit seinem Konzept wiederum starken Nutzen hatte - sei es dann schneller gegangen, so Marx.

Auch der ehemalige Wetterau-Landrat betont: "Die Region ist durch den Vulkanradweg touristisch aufgewertet worden." Jedoch hat die Radstrecke hat für die Region nicht nur touristische Relevanz. Denn neben den Tourismuswerten - und insbesondere einer Zunahme des Nahtourismus aus dem Rhein-Main-Gebiet - ist aus Sicht Gnadls mit der Radstrecke der Freizeitwert der einheimischen Bevölkerung gestiegen: "Die Leute wollen die Radstrecke für ihre Lebensqualität." In diesem Zusammenhang verweist er auf eine weitere wichtige Neuerung, die mit dem Vulkanradweg in Verbindung steht: "Der Vulkanexpress der Verkehrsgesellschaft Oberhessen ist das flächenmäßig größte Tourismusbus-System mit Fahrradbeförderung in Deutschland." Auch der Vulkanexpress habe sich in Bezug auf Linien, höhere Fahrplandichte und Fahrgastzahlend zunehmend positiv entwickelt, so Gnadl.

Eine "weitsichtige Innovation", die erstmals hessenweit so eingesetzt wurde, ist der Bus mit Fahrrad-Anhänger für den Vogelsberg-Landrat ebenfalls. Rhein-Main-Mitmenschen hätten so die Möglichkeit, im Vulkanexpress bis auf 700 Meter Höhe zu fahren und könnten dann "wie von selbst" nach Süden zurück radeln. Denn das Herzstück des Vulkanradwegs - gestartet mit knapp 30 Kilometern von Lauterbach nach Hartmannshain - ist jetzt viel länger. Wer will, kann bis an den Main radeln.

Mittlerweile gebe es aufgrund des Startimpulses im Vogelsberg, so Marx, auch den Vogelsberger Südbahnradweg, den Fulda-Radweg, den Milseburgradweg, den Ulstertalradweg und den Solztalradweg. Die Kombination aus all diesen reizvollen "dynamischen Erholungsmöglichkeien" wurde laut Vogelsberg-Landrat im "Bahnradweg Hessen" gebündelt und im Frühsommer 2010 gestartet. Dabei sind die Etappenmöglichkeiten des Bahnradwegs zwischen 245 und 400 Kilometern lang.

Bad Hersfeld, Tann, Fulda, Schlitz, Lauterbach, Hartmannshain, Gelnhausen, Hanau, Altenstadt und Gedern sind die Eckpunkte der großen Tour, auf der einst die Lokomotiven fauchten und sich jetzt Großstädter und Landbewohner gemeinsam erholen können.

Die Initiative der Pioniere, die aus dem Vogelsberg kam und zum Bau des Vulkanradwegs führte, würdigt Rolf Gnadl abschließend: "Der Vulkanradweg hat sich in jeder Beziehung für den Vogelsberg und die Wetterau gelohnt und ist nicht mehr wegzudenken. Mein Kompliment geht an die Pioniere: die Bürgermeister Herbsteins und Grebenhains im Vogelsberg sowie die Bürgermeisterin Hirzenhains in der Wetterau. Den Anfang, den die Vogelsberger gesetzt haben, war der Beginn einer Erfolgsstory."

Lauterbacher Anzeiger (cl)
04.09.2010

 

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