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Fast 1500 Unterschriften als Zeichen des Unmuts der Menschen
Resolution zur ärztlichen Versorgung im Sozialministerium übergeben
Eine fünfköpfige Delegation der Gemeinden Ulrichstein und Lautertal übergab am Dienstagnachmittag eine in den jeweiligen Parlamenten verabschiedete Resolution bezüglich der ärztlichen Unterversorgung an Vertreter des Hessischen Sozialministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen in Wiesbaden.
Mit dabei hatten Ulrichsteins Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller und Erster Beigeordneter Werner Funk sowie der zwei Tage zuvor neu gewählte Bürgermeister Edwin Schneider über 1 200 Unterschriften der Bevölkerung, die eindrucksvoll deren Unmut über den derzeitigen Ärztemangel deutlich machten. Mehr als 200 Unterschriften überreichten Hans-Jürgen Herbst, Vorsitzender der Lautertaler Gemeindevertretung, und Bürgermeister Heiko Stock.
Unterschrieben hatten auch die drei Vogelsberger Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel (CDU), Manfred Görig (SPD) und Mario Döweling (FDP) sowie mehrere Bürgermeister aus dem Kreisgebiet.
Beide Gemeinden - Lautertal und Ulrichstein - hatten in diesem Jahr eine gleichlautende Resolution beschlossen: Darin werden die Kassenärztliche Vereinigung Hessen sowie der Bund als Gesetzgeber und das Land Hessen aufgefordert, mit aller Kraft einem weiteren Ärzteabbau im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Zudem wird ausdrücklich gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen der dringende Sonderbedarf eines weiteren Kassensitzes innerhalb der Großgemeinde Ulrichstein gefordert. Die Kassenärztliche Vereinigung sowie die politischen Entscheidungsträger sollen darauf hinwirken, dass frei werdende Kassenarztsitze nicht mehr im Kreisgebiet vergeben werden, sondern an die betroffenen Standorte in der Stadt oder der Gemeinde gebunden bleiben.In der Resolution wird nicht nur die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den vergangenen Jahren aufgezeigt. In dem Schriftstück steht außerdem: "Eine persönliche, gute und wohnortnahe ärztliche Versorgung ist wichtig für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Der Vogelsbergkreis gilt als überversorgt, aber viele der betroffenen Patienten finden keine ,Aufnahme` bei dem noch verbleibenden Arzt in Ulrichstein oder in den umliegenden Gemeinden wie Mücke oder Feldatal." Des Weiteren wird auf den nicht sehr stark ausgeprägten öffentlichen Personennahverkehr hingewiesen. Eine generelle Zentralisierung der medizinischen Versorgung, wie in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen sei, könne von der Stadt nicht unterstützt werden.
Mit einer guten ärztlichen Versorgung gehe auch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung einher. Mittelfristig würde das leider notwendige Auspendeln der Patienten zu einem Arzt in einer anderen Kommune auch die Kaufkraft in andere Kommunen verlagern. Es werde deshalb auf die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung gebaut, der Abwanderung von Arztpraxen im ländlichen Raum entschieden entgegen zu treten und somit den Patienten in Ulrichstein und Lautertal eine ausreichende ärztliche Grundversorgung zu garantieren. Die Bedarfsplanung müsse sich an den einzelnen Gemeinden ausrichten und nicht auf Kreisebene fixiert werden.
Das Problem der ärztlichen Unterversorgung im ländlichen Bereich bestehe auch in anderen Kreisen, betonte Ministerialdirigent Jörg Osmer, Leiter der Abteilung Gesundheit beim Sozialministerium. Die Kriterien für eine Über- und Unterversorgung seien Vorgaben des Bundes und leider sehr wenig ortsnah. Es sei beabsichtigt, dies von der Kreis- auf die Gemeindeebene herunterzufahren. Das Problem generell sei allerdings, dass fast keine Ärzte bereit seien, aufs Land zu gehen. Auch hier werde in Kürze etwas geschehen. Zu viele Dienstzeiten wegen anfallender Notdienste oder Regressprobleme beim Budget seien weitere Hemmnisse. Man habe das Problem insgesamt erkannt und sei auf einem guten Wege, in Kürze Übergangslösungen zu finden und umzusetzen.
Matthias Brittner von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, der für neue Versorgungsformen zuständig ist, unterstrich dies und betonte, dass sich 2012 die Rahmenbedingungen ändern würden. Ab diesem Zeitpunkt könne zum Beispiel, wie in der Resolution gefordert, der Arztsitz nicht mehr verlegt werden. Jörg Osmer und Matthias Brittner sicherten der Vogelsberger Delegation zu, dass sie über Neuerungen betreffs der ärztlichen Versorgung umgehend informiert würden.
10.11.2011
