Aktuelles | Vogelsbergkreis - Details
Engagement der Vogelsberger Bürger ist Spitze
Neue Studie: Bundesweit setzen sich nirgendwo so viele Menschen für andere ein wie hier.
Überall in Deutschland engagieren sich Menschen ehrenamtlich - in Sport- und Gesangvereinen, in Kirchen und Kommunalpolitik, für Kinder und Senioren, in Feuerwehren und für die Ärmsten der Welt. Doch nirgendwo im Bundesgebiet setzen sich so viele Menschen für andere ein wie im Vogelsbergkreis. Das ist das Ergebnis des Engagementatlas' 2009, den die Forschungsgesellschaft Prognos und die Versicherung AMB Generali vorstellten.
Prognos befragte 44 000 Menschen in Deutschland, ob und wie sie sich engagieren. Bundesweit erklärte rund jeder dritte Einwohner (34,3 Prozent) über 16 Jahren, er setze sich für die Gemeinschaft unentgeltlich ein. Im Vogelsbergkreis liegt der Anteil bürgerschaftlich Engagierter bei mehr als 51,4 Prozent.
Mehr als 50 Prozent der Bürger engagieren sich auch im Schwalm-Eder-Kreis, im Landkreis Gießen und im Kreis-Hersfeld-Rotenburg. Etwas niedriger sind die Werte im Landkreis Fulda und im Main-Kinzig-Kreis, unter 40 Prozent liegt die Quote in der Wetterau und im Kreis Marburg-Biedenkopf.
Warum sind die Vogelsberger so motiviert? "Das ist unser Naturell. Es liegt uns einfach im Blut, dass wir uns engagieren und dass wir uns dafür einsetzen, dass unser Umfeld funktioniert", sagt Gerhard Ruhl, Erster Kreisbeigeordneter im Vogelsbergkreis. Die Vogelsberger seien Menschen, die lieber aktiv anpackten, als nur zu reden. "Auch das Bedürfnis zu helfen, ist bei uns weit verbreitet", hat Ruhl beobachtet. Der pensionierte Lehrer selbst ist ein gutes Beispiel für ehrenamtliches Engagement. Er ist Mitglied im Museumsverein, beim Vogel- und Naturschutzverein, beim Kirchenchor, bei der Feuerwehr, der Kolpingsfamilie, ist Vorsitzender des Herbsteiner Imkervereins und gehört den Freien Wählern an. "Wir Vogelsberger wollen unsere Umgebung gestalten", sagt Ruhl.
"Das Engagement ist auch ein Ergebnis der vielen guten Dorfgemeinschaften", urteilt Werner Rinke, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, in dem 27 000 von 120 000 Vogelsbergern Mitglied sind. In 179 Freiwilligen Feuerwehren sind 6800 aktive Feuerwehrleute im Einsatz, davon 420 Frauen. Die 120 Jugendfeuerwehren, in denen 1100 Jungs und 900 Mädchen organisiert sind, sind eine wichtige Säule der ehrenamtlichen Jugendarbeit. Rinke glaubt, dass auch die gute Gemeinschaft, Tradition und Technik und viele Aktivitäten die Menschen zum Engagement im Feuerwehrbereich brächten.
Gründe für die guten Werte des Vogelsbergs gibt es viele. Wichtigste Basis sind die geordneten gesellschaftlichen Verhältnisse an Lauter und Schwalm. Die Statistiker bei Prognos haben Faktoren ermittelt, die den Einsatz für andere fördern, und solche, die bremsen. Motivierend sind eine Bindung an die Kirche, Kinder im eigenen Haushalt und ein gewisser Wohlstand. Hingegen gehen eine hohe Arbeitslosenquote, viele Sozialhilfeempfänger, hohe Kriminalität und viele Singlehaushalte mit niedrigem Engagement einher. In Regionen, in denen das soziale Gefüge aus dem Gleichgewicht geraten ist, tut niemand mehr etwas für andere.
Gut schneiden generell kleine und mittlere Orte ab, wo jeder jeden kennt. Hessen ist ohnehin ein Land, in dem sich viele Menschen einbringen - 40 Prozent tun etwas für andere. In keinem Bundesland liegt der Wert höher. Gute Werte erreichen noch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. In den östlichen Ländern liegen die Werte am niedrigsten. Am schlechtesten schneidet die Uckermark ab - die Heimat der Bundeskanzlerin.
Für die Umfrage wurden im Sommer 2008 per Telefon 95 Bürger aus dem Vogelsbergkreis befragt. Legt man strenge statistische Maßstäbe an, beruht die Umfrage mit ihrem regionalen Aspekt auf einer relativ schmalen Basis.
Hintergrund
Die meisten Befragten engagieren sich im Sport.
In diesen Bereichen setzen sich Bürger unentgeltlich ein:
- Sportverein: 35,9 Prozent
- Kinder/Jugend: 26,5 Prozent
- Kirche/Religion: 21,3 Prozent
- Gesundheit/Soziales: 18,8 Prozent
- Kultur/Musik: 14,6 Prozent
- Feuerwehr: 14,1 Prozent
- Senioren: 10,7 Prozent
- Politik/Gewerkschaft: 7,8 Prozent
- Umwelt-/Tierschutz: 7,7 Prozent
Als Gründe des Engagements werden genannt:
- Gesellschaft mitgestalten: 29,6 Prozent
- Mit anderen Menschen zusammensein: 25,9 Prozent
- Einsatz für die Gesellschaft: 23,7 Prozent
- Probleme lösen: 17,8 Prozent
Insgesamt leisten die Deutschen 4,6 Milliarden Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Jahr. (Quelle: Studie)
03.12.2008
