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Demographischen Wandel aktiv gestalten
Sechs Gemeinden wollen sich den Herausforderungen der Zukunft stellen, um ländlichen Raum zu stärken.
Muss es so sein, dass die allgemeine Bevölkerungsentwicklung unausweichlich auf eine weitere Stärkung der Ballungsräume hinaus läuft? Welche Möglichkeiten haben Kommunen im ländlichen Raum, ihre Potenziale im Interesse der Bürgerschaft zu sichern oder auf geeignete Weise anzupassen? Diesen drängenden Fragen widmen sich - ab sofort in konzentrierter Form - sechs Vogelsberg-Gemeinden.
Auf Initiative von Lautertals Bürgermeister Heiko Stock diskutierten Rathauschefs und Kommunalpolitiker in einer Auftaktveranstaltung im "Haus des Gastes" in Ilbeshausen-Hochwaldhausen über gemeinsame Handlungsmöglichkeiten.
"Wir müssen uns Gedanken machen, ob und in welcher Form wir unsere kommunale Infrastruktur, wie die Wasser- und Abwasserversorgung oder die Dorfgemeinschaftshäuser weiter aufrecht erhalten können", so Bürgermeister Heiko Stock aus Lautertal bei der Eröffnung der Veranstaltung "Demographischer Wandel - Stärkung der Ballungszentren, Ausbluten des ländlichen Raumes!?"
"Die Städte und Gemeinden im Vogelsberg stehen aufgrund des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs und der zunehmenden Veränderungen in den Altersstrukturen in besonderem Maße vor neuen Herausforderungen", betonte Stock. Gefordert seien innovative und zukunftsfähige Handlungskonzepte- und -strukturen auf kommunaler und interkommunaler Ebene. Es gelte, nicht "Schwarz zu malen", sondern den Demographieprozess beherzt anzugehen und aktiv zu gestalten.
"Sie stehen am Abgrund, wir sind bereits einen Schritt weiter"Hugo Kern, Gesellschaft für Städtebau und Kommunikation, IllingenDieser Herausforderung wollen sich die Städte Herbstein und Schotten sowie die Gemeinden Birstein, Freiensteinau, Grebenhain und Lautertal gemeinsam stellen. Wichtig für den Erfolg sei, dass alle relevanten Akteure in der Region an einem Strang ziehen. Unterstützt werden die sechs Kommunen von der Vogelsberg Consult als regionaler Entwicklungsgruppe und dem Amt für den ländlichen Raum des Kreises. Landrat Rudolf Marx, der an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte, begrüßte in einer Presseerklärung, die Aktivitäten dieser interkommunalen Arbeitsgemeinschaft. Die von ihm eingesetzte Demographie-Projektgruppe der Kreisverwaltung habe gerade in der Begleitung interkommunaler Ansätze ein wichtiges Handlungsfeld.
Wichtige Grundlagen für die Diskussion der Thematik seien Bestandsaufnahmen und Analysen in den Kommunen und Ortsteilen. So machte Johannes Goldbach, Vogelsberg Consult, eingangs anhand konkreter Analysedaten den Kommunalpolitikern und Ortsvorstehern deutlich, dass das Einsetzen der Überalterung der Bevölkerung sowie ein stetiger Rückgang in den beteiligten Vogelsberger Kommunen klar zu erkennen ist. Sein Fazit: Allein aufgrund dieser Statistiken sei ein künftiger Handlungsbedarf gegeben.
Im Anschluss daran referierte Hugo Kern von Kernplan, Gesellschaft für Städtebau und Kommunikation mbH aus Illingen im Saarland, über den Prozess und die Erfahrungen aus Illingen. "Sie stehen am Abgrund, wir sind bereits einen Schritt weiter", meinte er humorvoll zu Beginn seiner Ausführungen. Die Kommune leide bereits 2003 massiv unter dem demographischen Wandel und habe inzwischen mit dem Zukunftsprogramm "Illingen 2030" Schwerpunkte der zukünftigen Entwicklung erfolgreich in Angriff genommen. Es gehe um Themen wie Leerstandsmanagement, Bildung, Einzelhandel. Die Bürger hätten sich im Rahmen mehrerer Zukunftstage aktiv beteiligt.
Kerns bisherige Erfahrungen zeigten: Der demographische Wandel "tut weh", gleichzeitig sei es wichtig, Mut zu machen und die Bürger mitzunehmen. Demographie bezeichnet er als das Schlüsselprojekt für Kommunen. Zahlen und Ausgangsanalysen sowie die richtige und anschauliche Interpretation seien Voraussetzung für alle weiteren Diskussionen und Handlungsstrategien. Insgesamt seien kleine Erfolge zu verzeichnen, so Kern, an den großen konkreten Wegen müsse weiter mit Nachdruck gearbeitet werden. Im Rahmen der Bewältigung des Leerstandes in Illingen ging der Planer auf das kommunal aufgelegte Abrissprogramm ein. Die Bevölkerung stehe voll dahinter, da meist örtliche Schandflecken beseitigt würden. "Wir machen jeden Abriss zu einem Event!", so Kern.
"Wir brauchen Bund und Land zu diesem gesamten Komplex. Dazu müssen wir uns im ländlichen Raum gemeinsam stark machen, um überhaupt gegenüber den Ballungsgebieten Gehör zu finden", betonte Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky in der Diskussion. Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung konnten danach wesentliche Diskussionsergebnisse, Anmerkungen oder Fragestellungen für ihre Kommune und Ortsteile auf vorbereiteten Pinwänden notieren, beziehungsweise wurden aufgefordert, diese in den nächsten Tagen in den jeweiligen Rathäusern abzugeben. Diese Ergebnisse werden in die bereits am 1. April 2009 geplante Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Fachexperten einfließen, mit der die Themenreihe unter der Fragestellung "Wie kann der demographische Wandel in unserer Region gelingen und aus welchen Erfahrungen können wir profitieren?" fortgesetzt wird.
06.03.2009
