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Am Ende steht Glasfaserkabel



Vogelsberg Consult-Geschäftsführer Thomas Schaumberg im Gespräch über das Internet.

Funk- oder Kabellösung, Interessenbekundungsverfahren, ein Mbit/Sekunde, 16 Mbit/Sekunde. In fast allen Kommunalparlamenten im Vogelsbergkreis sind diese Ausdrücke derzeit zu hören, denn das Thema Breitbandversorgung steht auf der Tagesordnung. Doch wie sieht der Stand der Technik heute aus, wie kam es zu den "unterversorgten Orten" und welche Perspektiven gibt es für die kommenden Jahre? Fragen auf die Thomas Schaumberg, Geschäftsführer von Vogelsberg Consult und Andrea Schönfeld, bei Vogelsberg Consult mit dem Thema Breitband beschäftigt, im Gespräch Antworten lieferten.

"Das Problem der aktuellen Telefonleitungen ist, dass sie zu dünn sind, sodass mit größer werdendem Abstand zum Verteiler das Signal immer schwächer wird", zeigte Schaumberg das Problem auf. Dies betreffe die alten Kupfer-Telefonleitungen, die zwischen Hauptverteiler, Kabelverzweigern und den Häusern liegen.

Derzeit gibt es vier verschiedene Technik-Modelle, die für eine bessere Breitband-Internetversorgung sorgen können: per Richtfunk, per LTE-Funk, per Glasfaserkabel und per Fernsehkabel.

Die Glasfaserkabellösung beinhaltet, dass das Signal bis möglichst dicht an die Endverbraucher mittels eines Glasfaserkabels herantransportiert wird. Reicht dieses Glasfaserkabel bis zum Kabelverzweiger, von dem aus die Haushalte in maximal 300 Metern Entfernung versorgt werden, steigt die Übertragungsrate auf 50 Mbit/Sekunde. "Wird bei Straßensanierungen das Glasfaserkabel gleich bis in die Häuser hinein verlegt, erreicht diese Technik bis zu einem Gigabit/Sekunde", meint Schaumberg. Allerdings treibe eine unterirdische Verlegung der Leitungen die Kosten nach oben.

Hohe Übertragungsraten können dort erzielt werden, wo alte Fernsehkabel liegen. "Wenn man diese aufrüstet, sodass das Signal in beide Richtungen fließen kann, erreicht man damit derzeit bis zu 128 Mbit/Sekunde" erklärt Schaumberg und verweist dabei auf einige Ortsteile von Homberg, wo dies bereits geschehen sei.

Bei der Funklösung wird das Signal von einem zentralen Netzknoten mittels Richtfunk in die einzelnen Orte transportiert. Die Weiterverteilung in die Häuser erfolgt dann per WLan-Technik. "Hierzu bedarf es einer Sichtverbindung und einer Antenne bei den Nutzern", erklärt der Geschäftsführer der Vogelsberg Consult. Die Übertragungskapazität liege dabei zwischen zwei und zwölf Mbit/Sekunde.

Die LTE-Übertragungstechnik greift auf die Mobilfunkmasten zurück. Von dort wird das Signal in einem Umkreis von zehn Kilometern gesendet. Alsfeld ist für die Telekom ein LTE-Ausbaugebiet. "Allerdings werden derzeit pro LTE-Sender nur eine begrenzte Zahl Haushalte angeschlossen", erklärt Schaumberg, denn die Übertragung hänge stark von der Zahl der User ab.

Das Land Hessen unterstützt die Verbesserung der Breitbandversorgung unabhängig von der Technik mit einem Landesprogramm. Dieses hilft dien Kommunen dabei, die Wirtschaftlichkeitslücke, die einem Investor nach fünf Jahren bleibt, zu schließen. 60 Prozent dieser Differenz übernimmt das Land. Voraussetzung dafür, dass das Programm greift, ist, dass die Orte unterversorgt sind, was nach der Definition des Landes Hessen unter einem Mbit/Sekunde Übertragungsrate der Fall ist. "Andere Bundesländer haben den Maßstab für die Grundversorgung bei sechs Mbit angesetzt, die EU bis vier Mbit/Sekunde", erläutert Schaumberg.

Die Vogelsberg Consult hat für alle Gemeinden des Kreises zusammen mit Athanus ein sogenanntes Markterforschungs- und Interessenbekundungsverfahren durchgeführt, um den Stand der Breitbandversorgung im Kreis zu eruieren. Dabei wurden Angaben der Versorger, die im Kreis aktiv sind, eingeholt, um die Übertragungsraten zu ermitteln und in Teilen wurden diese Angaben nachgeprüft. "Die Telekom gibt ihre Daten aber nicht mehr heraus, sodass wir hier für einen Radius innerhalb von drei Kilometern um den Hauptverteiler eine Übertragungsrate von über einem Mbit/Sekunde angenommen haben, erklärte Schaumberg. Zusätzlich wurden Bewohner der gering versorgten Orte befragt, wie sie ihre Verbindung einschätzen. Daraus entstand die Liste jener 61 Orte im Vogelsberg, die nach der Definition des Landes Hessen "unterversorgt" sind. Für diese Orte holten Vogelsberg Consult und Athanus Angebote von Versorgern ein. "OR-Network bot flächendeckend für den Vogelsbergkreis Lösungen an, die Telekom und Unity Media würden in Teilen aktiv werden", fasste Schaumberg die Ergebnisse zusammen. Nach einem vom Land vorgegebenen Schlüssel bewertete Athanus die Angebote und ermittelt so das wirtschaftlich günstigste für jeden Ort.

Für Ortsteile, die nach dem Markterforschungsverfahren nicht als unterversorgt gelten, machen die Kommunalpolitiker regelmäßig geltend, dass auch hier die Internetversorgung schlecht und langsam sei. "Gehen die Politiker vor Ort hier von einer schlechten Versorgung aus, muss ein neues Interessensbekundungsverfahren gemacht werden, um dann eventuell einen Antrag stellen zu können", erklärt Schaumberg. Allerdings müsste sich für Landeszuschüsse hier die Versorgung als unter einem Mbit/Sekunde erweisen, sonst müssen die Kommunen die Kosten alleine tragen. Liegt eine Unterversorgung vor, und fünf Prozent, mindestens aber zehn, Haushalte eines Ortes haben Interesse an der Breitbandversorgung angemeldet, dann greift das Förderprogramm. Wie lange allerdings das Geld des Landes dabei reicht, ist auch für Schaumberg nicht vorherzusehen. Allein im Vogelsbergkreis schätzt er den Förderbedarf auf 350 000 bis 400 000 Euro.Generell geht Schaumberg davon aus, dass eine Übertragungsrate von bis zu 16 Mbit/Sekunde für die kommenden vier bis fünf Jahre technisch ausreichend sein wird. Bei einer Versorgung mit 50 Mbit/Sekunde sei der zeitliche Horizont deutlich länger. Sodass klar sei, dass die Versorgung mit schnellem Internet, wie sie nun bis zum Herbst 2012 im Raum steht, nur der erste Schritt sein könne auf dem Weg "zum schnellen Internet für alle". Den nächsten Schritt plant Vogelsberg Consult bereits und der sieht die flächendeckende Versorgung mittels eines Glasfaserkabels vor.Als ein mögliches Beispiel hierfür sieht Vogelsberg Consult den Odenwaldkreis. "Dort legt der Kreis ein eigenes Netz an Glasfaserkabel bis zu den Kabelverzweigern", erläutert Schaumberg. Dabei werden seit August des vergangenen Jahres mehr als 300 Kilometer Kabel zu den Telekom-Verzweigern gelegt. Dieses Netz werde dann an einen Dienstleiter vermietet. Von den Kabelverzweigern aus werden jeweils bis zu 150 Haushalte versorgt. Die Investition für eine entsprechende Lösung im Vogelsberg schätzt Schaumberg auf 40 bis 50 Millionen Euro. Dazu bedarf es eines Geschäftsmodells, in dem neben Landkreis, Städten/Gemeinden, die Energieversorgung und die Banken mit eingebunden sein müssten. Dies zu erarbeiten, soll nach Freigabe der Haushaltsmittel des Kreises in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. In den Gedankenspielen bringt Schaumberg hier die Ovag mit ins Spiel. Der Energieversorger gehört zu einem Drittel dem Kreis, und er besitzt bereits ein eigenes Glasfasernetz in seinem Versorgungsgebiet. Günstiger für den Kreis wäre die Lösung, bei der das gesamte Glasfasernetz ausgeschrieben werde. "Das würde dem Anbieter mehr Geld einbringen, allerdings wäre dann das Netz auch kein Kreiseigentum", erläutert der Consult-Geschäftsführer.

Lauterbacher Anzeiger (Henning Irek)
16.07.2011

 

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