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Freude über friedliche Wiedervereinigung



Gedenkfeier der Reservistenkameradschaft Lautertal in Engelrod - Mitglieder des Lützower Freicorps waren zu Gast.

Nachdem sich die Gemeinde aus der Veranstaltung einer Gedenkfeier zum Tag der deutschen Einheit zurückgezogen hatte, erinnert die Reservistenkameradschaft (RK) Lautertal an dieses bedeutsame Ereignis der Wiedervereinigung. Auch in diesem Jahr trafen sich Reservisten, der MGV Engelord, interessierte Bürger und erstmals Mitglieder des Lützower Freicorps zur Feier am Dorfgemeinschaftshaus. Alle Redner stellten dabei ihre Freude über die friedliche Wiedervereinigung in den Vordergrund.

Hauptfeldwebel der Reserve Martin Kern erwähnte bei seiner Grüßung den 200. Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig im Jahr 2013. Er vermute, dass die Farben der schwarzen Jacke, der roten Streifen in den Hosen und die goldenen Knöpfe den Ausschlag für die spätere farbliche Gestaltung der deutschen Flagge gaben.

Zur Nationalhymne, vom MGV gesungen, wurden die Flaggen gehisst, dazu ertönten drei Salven aus den Jagdbüchsen und drei Kanonenschüsse des Freicorps. "Wir feiern heute einen Lichtblick der deutschen Geschichte", sagte Bürgermeister Heiko Stock und bezeichnete die friedliche Wiedervereinigung als ein unverhofftes Geschenk. Er war den Reservisten dankbar, dass sie die Feier durchführten. Abschließend bezeichnete er die Wende als "Herausforderung und Chance". "Das Volk der DDR hatte sich gegen die Tyrannen aufgelehnt", beschrieb CDU-Landtagsabgeordneter Kurt Wiegel die Ereignisse kurz vor der Wende. Er sei "froh und glücklich, dass die Vereinigung ohne Gewalt gelaufen ist". Hauptfeldwebel der Reserve Jürgen Roland, Vorsitzender der Kreisgruppe Oberhessen, sprach von einer friedlichen Revolution vor 21 Jahren.

Nach den Festreden ernannte Premierleutnant Thomas Huras Martin Kern zum Ehren-Jäger des Lützower Freicorps, drei junge Rekruten wurden zu Jägern ernannt. Nach der Feier lud die RK zu einem Sektempfang ins Gemeinschaftshaus ein, anschließend fand das alljährliche Heringsessen statt.

Einen Tag vorher im Biwak auf einer Wiese oberhalb des Gemeinschaftshauses von Engelrod: Das Abendessen ist beendet. Die zehn Mitglieder des Lützower Freicorps und die Marketenderin sitzen zusammen und besprechen mit Martin Kern den Ablauf der Feierstunde am 3. Oktober. "Wir machen Geschichte zum Anfassen, stellen deutsche Geschichte dar" ist ihr Ziel. In der Regel handelt es sich um historische Schlachten des 1813 von Major Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow gegründeten Freicorps. Es war eine militärische Truppe freiwilliger Kämpfer, die sich selbst versorgen, ausrüsten und bewaffnen mussten. Das mit dem selbst versorgen galt auch für das Biwak in Engelrod, zu dem sie am Freitagabend angereist waren. Die Kämpfer aus Leipzig, Höxter, Lauenburg/Elbe und Jena hatten dafür zwischen 160 und 450 Kilometer zurückgelegt. Hier auf der Wiese standen sieben Schlafzelte und ein Marketenderzelt. Wie ihre Vorbilder besteht die Gruppe auf der Wiese in Lautertal aus allen Schichten der Bevölkerung, die an der historischen Aufarbeitung, insbesondere des Kulturbewusstseins aus der napoleonischen Ära, interessiert sind. Als Freizeitdarsteller von Soldaten pflegen sie hier in Engelrod das Biwakleben am Lagerfeuer.

Am Samstag und Sonntag hatten sie bei Requirierungsaktionen im Ort Kontakt zur Bevölkerung. In ihrer Uniform zogen sie durch den Ort und baten um Lebensmittel "Wir haben nicht gebettelt", stelle Thomas Huras fest und lobte im selben Atemzug die Freigiebigkeit der Engelröder. Überall haben sie Lebensmittel bekommen, gelegentlich auch Geld. Also hungern müssen sie während des Biwaks nicht. "Es gab nirgends böse Worte".

Am Sonntag besuchten sie einen Erntedank- und Taufgottesdienst in der Kirche und waren dabei voll des Lobes über den Pfarrer, der sie mit ihren Waffen freudig im Gotteshaus aufnahm. "So etwas haben wir noch nicht erlebt, bisher mussten wir unsere Waffen immer vor der Kirche unter Bewachung zurücklassen", lautet ihr Fazit des "erlebnisreichen und gastfreundlichen Wochenendes in Engelrod". Ihre schwarze Uniform mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen schuf indirekt die Grundlage für die Farben der deutschen Nationalflagge. Ihre Bewaffnung beim Besuch im Vogelsberg bestand aus einer tragbaren Kanone, drei Jägerbüchsen, einem Reiterkarabiner, Pistolen, Hirschfänger und Säbel. Mit dabei war ihre Fahne.

Lauterbacher Anzeiger (gs)
05.10.2011

 

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